Freitag, 4. Oktober 2013

Converter von Jack - Teil 11

Kapitel 15

Lyréssa strich mit den Händen durch die Luft. Sie war voll konzentriert und versuchte, das Feuer festzuhalten, doch es gelang ihr zusehends weniger. „Wo ist Hank?“, fragte sie. Florence stotterte und Lyréssa verstand sie nicht. „Wo?“, fragte sie. „Da drin.“, erklärte Florence und deutete in die Flammen. „Da war ein Baum, der...“, Lyréssa unterbrach sie mit einem schrillen Pfeifen. Drei Pferde, ein Schimmel, ein fuchs und ein Rappe, allesamt durchtrainierte Warmblüter, kamen angeprescht. Der Schimmel war besonders schön und sein helles Fell schimmerte im Sonnenlicht. Der Fuchs hingegen war der schnellste der drei und besonders muskulös. Der dritte, der Rappe, war vollkommen schwarz, von Kopf bis fuß. Er war schnell und konnte locker mit dem Fuchs mithalten. Er war mit narben überseht und die Augen blickten wehmütig zu den Seiten. Vor Lyréssa blieben sie stehen und der Schimmel riss die Vorderhufe in die Luft und wieherte laut. Er blieb kurze zeit in dieser Pose stehen, dann stellte er sich neben die anderen. Lyréssa gab Florence die Zügel des Rappens und befahl: “Reite weg, ich kann das Feuer nicht länger aufhalten. Verschwinde und...“, doch Florence schüttelte den Kopf. „Ich bleibe hier und rette Hank.“, machte Florence geltend.
Lyréssa gab auf, Florence war nicht von ihrem Vorhaben abzubringen. Außerdem brauchte sie jede Hilfe die sie kriegen konnte und sie hatte keine Zeit um zu diskutieren. Darum ließ sie sich darauf ein. Sie gab Florence einen Schlauch. „Hier ist Wasser drin. Dann kannst du das Wasser zum löschen nutzen.“ Florence nickte der Frau noch einmal ermutigend zu. Dann wagte sie einen Schritt in die nähe das Prasselnden Waldes, der in der dunklen Nacht zu erstrahlen schien. Funken flogen und Holz knackte. Der Rauch stieg Florence wieder in die Augen und sie fingen an, zu tränen. Davon erschrocken, trat sie einen Schritt zurück, doch Lyréssa schob sie voran. Florence legte die Hände auf den Schlauch und konzentrierte sich. ‚Komm heraus’, dachte sie und das Wasser tat, was geheißen. Florence formte einen Schild. „Der Wird dir nicht helfen!“, erklärte ihr Lyréssa. Sie musste schreien, um das Laute Feuer und die knarrenden Äste zu übertönen. Sie holte ihr Wasser aus dem Schlauch und bewehte die Wasserkugel langsam, in kreisenden Bahnen um ihren Körper. Schneller und Schneller begann der Kreisel zu Fliegen. Lyréssa bewehte die Hände nur ganz leicht. Dann zog sie, während die Kugel kreiselte, einen dünnen Wasserfaden heraus und band ihn, mit ihren Kräften, an ihrer Jacke fest. Der ball kreiselte von ganz alleine. „Binde das Wasser an dein Herz, dann wird es tun, was du willst", erklärte Lyréssa. Florence versuchte es. Zwar war ihre Kugel nicht so schnell wie Lyréssas, aber es schien zu reichen, denn Die alte wandte sich zufrieden nickend ab. „Zeige mir, wo Hank ist.“, befahl sie Florence. Diese nickte. Florence lief voraus, gefolgt von Lyréssa. Der Hitzeschild von Florence kühlte die Brandblasen und hielt die meiste Hitze ab. Doch lange würde das Wasser nicht reichen. Florence erreichte einen Umgestürzten Baum und blieb stehen. Lyréssa hielt neben ihr an. „Da ist er.“, erklärte Florence und deutete auf den Baum. Die beiden Frauen gingen auf den Baum zu. Als Florence über die Kohlschwarze Rinde blickte, sah sie – nichts. Panik ergriff sie. Hank war nicht da! Sie war falsch gegangen. Lyréssa war ebenfalls schockiert. Florence war verzweifelt. Si war Schuld, dass Hank elendig verbrennen musste. „Hank!“, schrie sie durch den Rauch und musste unweigerlich husten. Tränen schossen ihr in die Augen. „HANK!“, schrie sie wieder. Sie hatte ihn wieder verloren. Für immer. Weil sie versagt hatte. Hanks Trauer verwandelte sich in blinde Wut. Sie stampfte auf den Boden auf. „Ich bin ein Versager! Ich bin Schuld! Ich!“ Diese eigenartige Mischung aus Selbstzweifel, Trauer und Wut hatte Florence noch fast nie gehabt. Sie schrie laut auf. Es war ein klagender Wutschrei. Lyréssa zerrte sie zurück. „Wir müssen hier raus, sonst sterben wir auch. Aber Florence versuchte, sich loszureißen. Mit aller kraft wirkte sie dem Sog der alten Frau entgegen. Mit geballter Faust schrie sie: „HANK! KOMM SOFORT HIERHER!“, sie schrie wild und biss sich dann auf die Lippen, um nicht noch einmal loszubrüllen. Dann spürte sie, wie ihre Gefühle entwichen, als wenn man alle Luft aus einem Luftballon lässt. Es war ein eigenartiges und unangenehmes Gefühl. Als alles vorbei war, viel sie in sich zusammen, wie ein Sack Kartoffeln. Es zischte laut. Dann begann Florence plötzlich, vom Boden abzuheben. Sie Flog. Nein. Sie Flog nicht. Sie schwamm. Wasser umspülte ihren Körper. Kühles, frisches Wasser. Florence sah, wie das Wasser bergauf floss, sich um Ecken wand und Graben und Herhabgefallene Bäume überwand. Es zischte und die Menge des Wassers wurde allmählich weniger. Der Fluss wurde schmaler und schmaler und schmaler. Bis der Strom versiegte. Plötzlich saßen Florence und Lyréssa, die mit gespült worden war, auf dem feuchten Boden. Die beiden sahen sich verdutzt an. Doch bevor jemand erklären konnte, was gerade geschehen war, hörten sie jemanden rufen. „HILFE! Florence! Mutter!“, Florence wusste sofort, wer gerufen hatte. „Hank!“, schrie sie. Florence faste neuen Mut und sprintete in die Richtung aus der Sie Hank rufen gehört hatte. Schneller und schneller wurde sie, sodass Lyréssa nicht mehr mithalten konnte. Tränen der Erleichterung fielen ihr in Tropfen vom Gesicht und verdampften auf dem heißen brennenden Boden. „Hank, ich bin wieder da, flüsterte sie. Sie sprang über den Stamm und drückte, so stark sie Konnte. Lyréssa tauchte hinter ihr auf und half mit. Gemeinsam gelang es ihnen, den Stamm wegzuziehen, doch als er sich bewegte, schrie Hank laut. Sein eingeklemmter Fuß schmerzte. Lyréssa untersuchte sein Bein. „Gebrochen.“, sagte sie kurz angebunden. „Wir müssen den Baum irgendwie leichter machen. Sonst kriegen wir ihn hier nicht weg. Hast du etwas dabei, womit es funktionieren könnte?“, fragte die alte. Florence dachte angestrengt nach. Ihr fiel nichts ein. Mit ihren Kräften würde es nicht funktionieren. Etwas Spitzes hatte sie nicht dabei. Und in Wasser verwandelt hatte sie Bäume nur einmal, und das ganz unbewusst. „Dann müssen wir ihn betäuben.“, erklärte Lyréssa. „Am besten...“, bevor Lyréssa weiter reden konnte hatte sich Florence auf den Boden gekniet, Die Haare hinter ihr rechtes Ohr geschoben und sich über Hank gebeugt. Als sich ihre Lippen berührten, explodierten in Hank alle Gedanken und sorgen über Andrew. Florence küsste ihn. IHN! Er konnte nicht widerstehen und küsste sie zurück. Er spürte nichts mehr, außer Florence. Er roch ihren süßen Geruch und ihren warmen Atem. Er spürte ihre Hände auf seiner Brust und ihre weichen Lippen auf seinem Mund. Langsam und widerstrebend lösten sie sich voneinander. Lyréssa hatte, mit einem langen Stock und mithilfe der Hebelwirkung und viel Kraft den Baumstamm zur Seite gerollt. „Alles muss man selber machen“, schimpfte sie. Florence und Hank mussten lachen.

Die drei hatten sich endlich aus dem Wald herausgekämpft. Nachdem sie Hank befreit hatten, musste Florence Hank stützen, weil er mit den Beinen nicht laufen konnte. Er keuchte schwer, denn sein Körper begann zu dehydrieren. Florence zerteilte ihre Wasserkugel und ließ Hank das Wasser schlucken. Es schmeckte nicht besonders gut, denn Hank verzog beim Schlucken das Gesicht. „Es ist nicht mehr weit.“, sprach Florence ihrem Freund gut zu. „Lyréssa kennt den Weg.“ Es ging nur sehr langsam voran, denn viele umgestürzte Bäume versperrten ihnen den Weg. Lyréssa musste oft mit anpacken um Hank über die wuchtigen Stämme zu bekommen. Das Feuer brannte zwar sehr heiß, doch die Wasserkugeln schützten die drei vor weiteren Brandwunden. Den Rauch konnten sie jedoch nicht abhalten. Er kam in dicken schwarzen Wolken auf sie zu. Aufgrund der fortgeschrittenen Verbrennung der Äste war er jetzt besonders schlimm. Oft musste Florence husten und keuchen, denn der rauch kam in ihre Lunge und schien, sie in tausend stücke zerreißen zu wollen. „Wir müssen“, begann sie, als ihr ein heftiger Hustenanfall das Wort abschnitt. Als sie wieder sprechen konnte setzte sie fort: „Hier raus.“ „Was meint du, versuchen wir gerade?“, fragte Hank sarkastisch. Sein rüder Ton überraschte Florence. Sonst war er immer beherrscht und ruhig, doch jetzt schien er angespannt und nervös zu sein. Wahrscheinlich weil er bereits mit seinem Leben abgeschlossen hatte, als Florence und Lyréssa ihn gerettet hatten. Vielleicht waren es aber auch nur die höllischen schmerzen im Fuß, die ihn so aggressiv machten. „Ich sehe Licht.“, rief Florence erleichtert durch den Rauch.
„Ich auch, sogar eine ganze menge. Nur so zur Info, wir stehen in einem BRENENDEN WALD! Natürlich ist hier Licht.“, entgegnete Hank scharf. Florence schüttelte den Kopf. „Nein, echtes Licht.“
„Es ist Nacht.“
„Sieht aus wie...“, begann Florence als plötzlich ein gleißender Strahl Feuer aus dem Boden zischte. Hank stieß Florence vom Feuer weg und verbrannte sich dabei am Arm. „Eine Laterne.“, beendete Florence ihren Satz, als drei weitere Personen aus dem Nichts auftauchten. „Was macht ihr hier?“, fragte einer der drei. Es war ein junger Gutaussehender Mann mit blonden haaren. „Wir haben uns verirrt und mein Freund hier ist am Fuß verletzt.“, erklärte Florence. „Ach, wirklich? Deswegen haben wir auch eure Pferde vor dem Wald reiten sehen.“, zischte ein zweiter Mann verächtlich. Die dritte Person, eine Frau, lachte verächtlich. „Dachtet ihr, ihr könnt uns mit Feuer kommen?“, fragte sie. „Wir beherrschen das Feuer.“, „Und ihr Wandlerpack könnt uns jetzt auch nicht mehr überraschen.“, fügte einer der Männer hinzu. „Wir sind keine Wandler. Wir sind Chetessen.“, erklärte Lyréssa. Florence atmete erleichtert aus. Rédniz Myts. Der Feuerstamm, der das Feuer beherrscht. Die drei begutachteten Florence, Hank und Lyréssa mit scharfen blicken. Als sie das Wasser sahen, das um Lyréssas Handgelenk spülte, nickte der Blonde Mann den anderen zu. Diese stießen Höhe, scharfe Schreie aus und das Feuer wich ihren vorgestreckten Händen. Der Anführer der Rédniz Myts verneigte sich. „Folgt mir, ich bringe euch nach Tyts.“, erklärte er und ging strammen Schrittes voraus. Die zwei anderen Feuerherrscher kamen hinter Florence und Hank langsam und rückwärtsgehend her. Florence hatte neuen Mut gefasst. Sie kam nach Tyts. Sie würde Andrew wieder sehen. Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.


Kapitel 16

Als Florence die ersten viertel der Stadt erreichte, hüpfte sie vor Freude. Endlich war sie wieder da. Endlich würde sie Andrew wieder sehen. Aber nach einiger Zeit sah sie die hoffnungsvollen Gesichter der chetessen und ihr wurde mulmig. Sie alle hatten gehofft, sie wurde die anderen Réssyw Myts mitbringen. Aber wie viele waren sie? Drei. Drei kleine, Schwache Chetessen. Die depressionen kamen zurück und Florence spürte, wie sich die Selbstzweifel wie eine Glocke über sie legte. „Was ist denn?“, fragte Hank beiläufig, während er die gewaltige Stadt bestaunte. „Ich habe versagt.“, sagte sie und stöhnte. „Hast du das?“, fragte Hank. „Ja. Wir sind nur drei Chetessen, das sind zu wenig. Andrew hat erzählt, midestens 5 wären nötig. „Aber du hast mich gefunden“, erläuterte Hank. Florence lächelte unsicher. Und dann sah sie ihn Andrew. Hank hatte ihren Blick bemerkt und fragte abfällig: „Ist er das?“, Florence nickte. Sie rannte auf ihn zu und warf sich in seine Arme. „Andrew!2, schrie sie überglücklich. Hank fühlte sich wie ein Dampfkessel. Die Wut kochte in ihm und der enorme Druck der sich dabei aufbaute wollte laut kreischen. Doch er sah auch, wie glücklich Florence war und er blieb darum zum grössten teil ruhig. Nur seine Mutter, Lyréssa bemerkte seine Wut. Darum fragte sie ihn: „Du liebst sie wirklich, nicht wahr?“ , „Ja.“, antwortete Hank und ging weiter. „Wohin gehst du?“, fragte ihn seine Mutter. „Zum grossen Turm, da wird ihr Anführer sein. Ich sage ihm, das ich gehe und verlasse diese Stadt.“, erklärte er Lyréssa mit geballten Fäusten. „Du willst gehen?“, fragte sie Hank. Er nickte. „Ich habe schon viel zu viele Menschen umgebracht. Das entspricht nicht meinen Idealen.“
„Aber du tust es für einen guten Zweck.“
„Ich habe genug. Verstehst du? Und ich will nicht, das du da auch mit rein rutscht.“, machte Hank klar. „Ich bin kein Kind mehr.“, schimpfte Lyréssa. „Aber ich will nicht, dass du in gefahr gerätst.“, erklärte Hank. „Ich bin immer noch deine Mutter.“, erklärte die alte. „Und ich sorge mich nur um dich.“, Hank drehte sich zu seiner Mutter um. „Ich liebe diech, Ma.“, seufzte er. „Deswegen hast du ihr auch nichts von mir erzählt, richtig? Damit ich da nicht rein verwickelt werde.“, verstand Lyréssa. Hank nickte. Wenn seine Mutter fertig gewesen wäre, hätte er sie weg geschickt. Er hätte für die Chetessen gekämpft. Und wäre für sie gestorben. Jetzt wollte er nicht mehr. Er wollte möglichst weit weg von Florence. Und vor allem von Andre. Er erreichte den grossen Turm und wollte hinein gehen, als zwei Männer mit speeren und einem roten Blitz auf den Uniformen ich aufhielten. „Keinen schritt weiter. Wir sind die Garde des Tyr Mrit, des Turms des Rates, keiner darf ihn ohne genehmigung betreten!“ Hank verdrehte die Augen. Florence hatte ihm von diesen Wächtern erzählt. Ein Mann mit schwarzen, schulterlangen haaren und ebenfalls einer Uniform mit einem Roten Blitz, kam vom Marktplatz auf Hank und Lyréssa zu. Er hatte einen grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht, aber als er Lyréssa sah, trat erstaunen an seine Stelle. Dann ein kurzes Blinzeln und dann ein sehnsüchtiges lachen. „Hallo, alte Freundin!“ Er kam auf die Frau zu und schüttelte ihr herzlich die Habnd. „Ich dachte, du warst tot!“, Hank spürte eine knistrnde Freude, wie eine Aura um den Mann herumtänzeln. Aber sein Gesicht behielt er unter kontrolle, er liess nur ein Lächeln über sein Gesicht huschen. Er maß mich mit einem seltsamen Blick. Dann legte er einen Arm um seine Mutter und die beiden gingen, fröhlich plauddernd, fort.
Florence und Andrew hatten sich immer noch in die Arme geschlossen. Andrews warmer Atem liess Florence Herz schneller schlagen, sein Atem betäubte ihre Sinne und ihre lippen prickelten, wenn sie ihn ansah. Sie wollten zu Andrew, ihn küssen und nie mehr aufhören. Doch Florence hielt siech zurück. Denn sie musste viele schlechte sachen melden. „Ich muss in den Tyr Mrit. Sofort.“, Andrew nickte und die beiden machten sich auf den Weg. „Wer war dieser Mann, der dich begleitet hat?“, fragte Andrew sie, als sie schnellen schrittes auf den hohen Turm zugingen. „Er heisst Hank, ein Réssyw Myts, die Frau ist Lyréssa. Ich glaube sie ist seine Mutter. Ich glaubte lange, sie wäre Tot, aber irgendwie doch nicht. Sie ist sehr mächtig, Hank auch...“, sie blieb ruckartig stehen. Plötzlich schoss ihr ein gedanke durch den Kopf. Sie wusste plötzlich, warum Hank stärker war als sie, warum er einen méleg erschaffen konnte und warum er plötzlich nicht mehr da gewesen war. Alles wurde ihr in diesem einen Moment klar. Dieser eine Moment drückte ihr herz zusammen, als stecke es in einem Schraubstock und würde gleich in Tausend stücke zerspringen, wie ein herunter fallendes glas. Ein schatten huschte über ihr Gesicht. Andrew zog fragend die Augenbrauen zusammen. Florence schüttelte den Kopf. „Nicht so wichtig.“, presste florence durch die Zähne. Andrew sah sie weiter verwundert an. Florence bemerkte das und es war ihr unangenehm, darum beeilte sie sich, schneller zum Tyr Mrit zu kommen. Kurz verlor Andrew sie aus den Augen, dann sah er sie wieder aus einem menschengemenge auftauchen. Die beiden Wächter, die sie beim ersten mal nass gespritzt hatten hielten ihr die Speere entgegen. Florence fragte höflich um einlass. Als die beiden im Turm standen fragte Andrew: „Meinst du, sie haben das letzte mal ärger bekommen?“ Florence kicherte. „Garantiert.“ Sie beschleunigte ihren Schritt und lief die gewundenen in Stein gehauenen treppenstufen hinauf. Die schwere Eichenholztür war weit geöffnet und Florence konnte den Tyr, den Rat, der Chetessen sehen. Der Rétoél, der Anführer der Chetessen sass, den weissen Bart in der Hand zwirbelnd und mit einem Schelmischem Grinsen auf seinem Stuhl in der Mitte des Raumes. Als er Florence sah, veränderte sich seine Miene. „Florence, du bist wieder da.“, stellte er mit hochgezogenen Augenbrauen fest. Er sah ihr tief in die Augen. Er verwendete die spezielle fähigkeit des Tzolbtilb stammes, der Mentale Raub, wie ihn Ékrats manchmal scherzhaft nannte. Er konnte, mit nur einem Blick in ihren Kopf eindringen. So konnte er verräter erkennen, Feiglinge identifizieren und Bilder in die Köpfe anderer malen. Doch irgendwie schaffte er es nicht, in ihren Kopf einzudringen. Florence hatte frische Narben und Brandblasen überall am Körper, es war ein Wunder, das sie noch lebte. Und stand. „Ist dir Gelungen, was du wolltest?“, fragte er sie. Florence nichkte und wurde rot. „Niemanden?“, Florence sah auf. „Doch, zwei, aber das sind zu wenige, stimmt’s?“ fragte sie. Der Rétoél nickte. Traurig sah Florence auf den Boden. „Ich habe versagt, ich weiss. Ich habe nur noch mehr Fragen, die beantwortet werden müssen. Wer hat den Brand gelegt?“, fragte sie ihn. Eine Frau sah sie an. „Vermutlich die Wandler, genaues wissen wir nicht.“, sagte sie. „Das stimmt nicht. Es kann gar nicht sein.“, erklärte eine Stimme hinter Florence. Es war Hank. Sofort sprangen einige Émry Myts auf und wollten Hank festhalten. Alle waren angespannt, man konnte keinem mehr trauen. Jeder könnte ein verräter sein. Florence rief: „Ihr könnt ihm trauen, er ist ein Freund.“ , sie sah Hank auffordernd an. Er holte eine Karte aus seiner tasche hervor. „Das hier ist eine Karte des Waldes. Das hier“, er deutete in die Mitte, „Ist Tyts.“, er fuhr mit dem Finger in Südliche Richtung.“, hier war das meiste verbrann und der Rauch wurde zunehmend beissender. Das feuer wurde hier in diesem umkreis“, er beschrieb einen Bogen, “gelegt. Ich bin mir ziemlich sicher. Ein Mensch wäre dem Feuer nicht entkommen, wenn er von der stadt weggelaufen wäre. Er kann nur in den Norden gelaufen sein. Nach Tyts.“ Das alles klang plausibel. Die einzige Frau dwes Rates kniff die Augen zusammen. „Das klingt vielleicht plausibel, aber es ist sehr unlogisch.“, sie deutete auf mehrere Stellen. Hier und hier und hier hätte das Feuer ebenfalls gelegt worden sein.“, Hank schüttelte abwehrend den Kopf. „Nicht möglich. Hier und hier wäre der Brandstifter verloren gewesen. Der Wind drehte einige Male nach Norden, darum breitete sich das feuer kreisförmig aus. Sogar sehr schnell. Ich gebe einem schnellen Sprinter 10 Minuten. Und von den Zwei stellen ist es sehr unwahrscheinlich. Und dort“, er deutete auf die dritte von der Frau benannte Stelle, „Sind die Bäume zu dicht. Es kann nur dort gewesen sein.“, erklärte er. Nun war auch die Frau überzeugt. Trotzdem sah sie Hank misstrauisch an. „Aber was nützt es uns, zu wissen, wo das Feuer gelegt wurde? Ich habe versagt und damit das Ende der Menschheit besiegelt!“, stöhnte Florence. Eine stimme hinter ihr riss sie aus ihrem Selbstmitleid. Sie hatte diese Stimme gehasst, doch nun war sie zum einen überrascht, zum anderen verwirrt und irgendwie auch auf eine seltsame Art und weise fröhlich, sie zu hören. „Es gibt noch eine Möglichkeit.“, stellte er fest. Florence drehte sich herum. Diese schwarzen, langen Haare, die uniform mit dem roten Blitz. Es war klar. Er war keine Einbildung. Dieser Mann, der da vor ihr stand war... „Ékrats!“ Er sah sie mit einem herablassenden Blick an. Sie sah, peinlich berührt weg. Der stolze Tzolbtilb Myts hatte sich überhaupt nicht verändert. Florence sah ihm wieder trotzig in die Augen. „Was machst du hier?“, fragte sie ihn. „Ich war schwer verletzt, darum musste ich nach Tyts zurückkehren. Die anderen wollten London noch vor den Wandlern erreichen. Sind sie...?“, fragte er Florence. Sie nickte. Der Rétoél beendete das Schweigen. „Du sagtest, es gäbe noch eine Möglichkeit. Warum weiß ich nichts davon?“ Ékrats lachte grimmig. „Weil du und dein fabelhafter Tyr die Chetessen in den Abgrund gestürzt hast. Du hast die Probleme verdrängt und darum konnten die Wandler so stark werden. Im Grunde bist DU Schuld, das wir jetzt hier stehen und darüber beraten, wie wir am wenigsten Verluste machen. Ein krieg ist unausweichlich.“, bellte er. Der Rétoél sah weg. Seine Augen glänzten vor Wut. „Wie kannst du es wagen?“, keifte er und wollte Ékrats am Kragen in die Luft heben. Doch Ékrats schlug ihm in den Nacken und der Anführer der Chetessen ging zu Boden. „Wieso vertraut ihr diesem Narren?“, fragte er die umstehenden. Er ist dumm und klein. Er hat das leben aller Menschen aufs Spiel gesetzt. Nennt ihr das Weise?“, fragte er die umstehenden. acht Menschen für die acht Stämme blickten ausdruckslos auf Ékrats. Der Anführer des Émry Myts zischte leise. „Du willst doch der Anführer sein, nicht wahr?“, fragte er. Ékrats schüttelte den Kopf. „Ich bin viel zu unentschieden für den Führungsposten. Aber wir sind nicht mehr nur neun Stämme. Wir sind wieder 10, der Réssyw Myts ist wieder zurückgekehrt. Es war doch früher Sitte, das Der Stamm mit den wenigsten Mitgliedern einen Anwärter auf das Rétoélsamt stellen konnte. Bis hierher war das der Tzolbtilb Myts. Doch nun ist es der Réssyw Myts. Die 8 Mitglieder des Tyr und der Rétoél sahen Ékrats erstaunt an. „Ich schlage Dés vor. Sie ist die älteste des Réssyw Myts und somit auch die erfahrenste.“, bevor Ékrats fortfahren konnte, unterbrach ihn Florence. „Wer ist Dés?“, fragte sie ihn verwirrt. Ékrats zog die Augenbrauen zusammen. „Sie ist doch mit euch hierher gekommen.“, äußerte Ékrats. „Seine Mutter.“, Ékrats deutete auf Hank. „Aber das ist doch Lyréssa!“, erklärte Florence. Schweigen. Ékrats riss die Augen weit auf. „Etwa DIE Lyréssa, diese alte Frau in The Oak? Das war Dés? Dann war sie schon da? Ich meine, ich...“, er verstummte. „Ich war schon so nah bei ihr... Ich... habe meine eigene Frau nicht erkannt.“, sagte er monoton. Florence sah Hank verwirrt an, dieser zog die Schultern unwissend hoch. Florence war nun endgültig verwirrt. Sie erinnerte sich, wie empfindlich Ékrats einmal auf eine einfache aussage von ihr reagiert hatte. . „Du weißt doch gar nicht wie es ist, jemanden zu verlieren, den man liebt.“ Hatte sie gesagt. „Doch! Das kann ich.“, hatte Ékrats gesagt. Florence musste an das unangenehme Gefühl zurückdenken, das sie danach verspürt hatte.
Florence keuchte: „Hank!“ er sah sie an. „Wenn Dés und Lyréssa ein und dieselbe Person sind....“, setzte Hank fort, „Dann ist Ékrats dein...“, stellte Florence erschrocken fest. Dann riefen sie gemeinsam: „VATER!“

Kapitel 17
Ékrats und Hank. Jetzt erst fiel Florence ihre Ähnlichkeit auf. Ihr wurde irgendwie übel. Trotzdem ließ sie sich nichts anmerken. „Ékrats!“, rief sie dem Mann zu, „Was ist es denn nun, was wir gegen die Wandler tun können?“ Ékrats drehte sich auf seinem Stiefelabsatz um. „Es gibt ein Artefakt, eine goldene Kugel, geschmiedet von einem lange vergessenen chetessenstamm. Er gelang in die Hände des Converters. Doch er konnte die Macht der Kugel nicht bändigen. Darum ließ er sie ins lyt sé daté werfen, einem schrecklichen Tal auf einer winzigen Insel im Mittelmeer. Ich weiß, das ist weit entfernt, aber ich kenne einen Weg euch schnell dorthin zu bringen.“, erklärte der schwarzhaarige Mann. Florence hob die Hände. „Moment mal, was kann diese Kugel eigentlich?“, fragte sie. „Sie kann den Ring des Converters, mit dem er Energie absorbieren kann, zerstören. Florence wurde plötzlich schwarz vor Augen, sie sah wieder ihre Träume, sah das Lyt sé daté, hörte die Stimmen, sah den Ring explodieren, die stimme wurde immer lauter. „Hattie“, rief eine Frauenstimme, „Komm zu mir!“, „Mutter?“, fragte sie und sah ihre Mutter vor sich. Geh in das Tal!“, die Kugel, der Ring, die Stimme, Ihre Mutter, eine Ruine, Lautes summen, ihr Kopf dröhnte, weiße milchige Schlieren, dann – Stille. „Hattie!“, rief ihre Mutter. „Wo bist du Florence?“, fragte sie. Mutter, ich bin hier! „Florence... Wach auf!“ Sie schlug die Augen auf. Besorgt beugten sich Hank und Andrew über sie. Auch die anderen Chetessen waren da. „Was war los?“, fragte Hank. Florence blinzelte. Ich habe das Tal gesehen. Und die Kugel. Und den Ring.“, erklärte sie. Hank half ihr wieder auf die Beine. „Ich...Ich sollte mir ein bisschen die Beine vertreten.“, stellte Florence fest. „Dann geht es mir bald besser.“, „Ich komme mit dir.“, bot sich Hank an. Florence schüttelte den Kopf. „Nein, lieber nicht.“, dann verließ sie den Großen Saal und ließ die anderen mit vielen fragen zurück.

Nach längerer Zeit, kam Florence zurück. Er Gesicht hatte wieder Farbe bekommen und der Rétoél und der Rest des Tyr saß wieder auf den Stühlen hinter dem Tisch. Andrew, Hank und Ékrats standen in der Mitte des Raumes und flüsterten leise miteinander, als Florence den Raum betrat, sah der Tyr von seinen Papieren auf und Hank und Andrew drehten sich zu ihr um. „Ah, Florence, schön, dich wieder zu sehen. Wir waren gerade dabei, ein Team aufzustellen, dass dich und Hank ins Lyt sé daté begleitet.“, erklärte der noch-rétoél mit einem lächeln im Gesicht. Er versuchte wieder, in ihren Kopf einzudringen, doch dieses mal funktionierte es gar nicht. Florence lachte. Dann kniff sie die Augen zusammen und sah den Mann schelmisch grinsend an. „Versuch es erst gar nicht.“ Verdammt, dachte der Rétoél. Er sprang auf, warf seinen Stuhl zurück und rief: „Tötet sie! Sie ist ein Dschat!“ Die Tzolbtilb Myts sprangen sofort herbei und versuchten, mit Speeren auf Florence einzuschlagen, als sie sich bereits verwandelte. Die Ohren bewegten sich nach oben, die Haare an Armen und Beinen wuchsen, die Augen wurden kleiner und runder, das Gesicht runder. Die Nase fuhr nach Oben und drehte sich dabei. Florence wuchs und wuchs. Die Füße wurden kürzer, die Beine stämmiger. Krallen wuchsen ihr und mit den wachsenden, gelblichen Zähnen war die Verwandlung abgeschlossen. Der Bär duckte sich, Brüllte und schlug mit den Pranken auf die Speere ein. Sie brachen entzwei und die Soldaten hatten nur noch die Stäbe in der Hand. Der eine fing erbärmlich an zu schreien und wollte fliehen, als eine der mächtigen Pranken des Bären auf ihn herabfuhr und ihm das Rückgrat brach. Der andere biss die Zähne zusammen und stieß den Gesplitterten Holzstunk in den Bären. Dieser Schrie laut auf, als Blut aus der Wunde schoss. Der Bär brüllte noch einmal, dann ließ er sich auf den Soldaten fallen. Ein unangenehmes Knacken kündete vom Tot des Soldaten. Als der Bär aufstand, sah man, wie der verdrehte leblose Körper am Boden liegen blieb. Der Bär bäumte sich auf, dann ließ er sich auf alle Viere fallen und sprang in gewaltigen Sätzen auf den Rétoél zu. Der Rétoél hob die Hände, formte Gewitterwolken, peitschte dem Bär Wasser entgegen, doch er wich den einschlagenden Blitzen geschickt aus. Ein Rédniz Myts wollte Feuer auf ihn jagen, doch der Bär ergriff ihn mit den Tatzen und schleuderte ihn aus den riesigen Fenstern. Es klirrte und man hörte den abstürzenden Mann schreien. Andrew und Hank versuchten, den Bären zu fassen, doch er schleuderte sie weg. Der einzige Éfloh Myts, der Stamm mit dem Starken Panzer, warf sich todesmutig vor den Rétoél. „LAUF!“, brüllte er. Doch schon in diesem Moment flog der Éfloh Myts durch ein weiteres Fenster. Der Bär brüllte und hieb mit der Klaue auf den Rétoél. Ein Rétsulf Myts versuchte, den Bären hochzuheben, doch der Bär war schnell und ließ sich rückwärts auf ihn fallen. Ein Fiyl Myts, berühmt für die Schnelligkeit lief so schnell er konnte um den Bären herum. Dabei wurde er vom Anführer des Nykre Myts, des Wind Stammes, angeschoben. Die Taktik ging auf der Bär taumelte, als ihm schwindelig wurde. Dann verwandelte er sich erneut. Die Haare wurden zu Schuppen, der Körper wurde schmaler und länger, Der Kopf länger. Die Beine verschwanden, der Körper wurde nach hinten hin immer Dünner. Die Schlange glitt schnell durch den Fiyl Myts hindurch. Der bereits verletzte Rétoél sah die giftige Schlange nicht kommen. Sie schlängelte sich um ihn, kroch an seinen Beinen hoch, durch seinen Mantel und am Kragen wieder heraus. Am Hals angekommen biss sie ihn mit ihren scharfen Zähnen in die Hauptschlagader. Die Adern schwollen an, die Haut wurde bleich. Der Mann bekam keine Luft mehr. Er zuckte wild, als seine Nerven zuckten. Er fasste sich an den Hals, Schaum lief aus seinem Mund die Augen wurden glasig. Er schrie noch einmal auf. Die Schlange war bereits am Fenster, die Schuppen wurden zu Federn, Arme wuchsen ihr, Der Kopf krümmte sich nach vorne. Der Schnabel klackte und Der Adler flog davon. Die überlebenden des Attentats sahen dem Stolzen Vogel noch nach, der mit gewaltigen Schwingen davon flog, tief in das Herz des Waldes.

Als die Trompeten vom Tot des rétoél berichteten, wusste Florence, das es zu spät war. Sie sass gefesselt und geknebelt in einer Baufälligen Hütte am rande der Stadt. Wenn sie schrie, wurde sie nicht gehört, vor allem, weil sie geknebelt war. Die Fesseln schnitten ihr ins Fleisch. Die Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie hatte eine Platzwunde am kopf und an den Armen und Beinen. Alles tat ihr weh, Luft holen war beinahe unmöglich. Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt. Wieso rutschte sie von einer Gefahr in die Nächste? Von will geschlagen floh sie, wird fast von einer Kutsche erschlagen, dann fast von Soldaten gekillt, verliert ihr Kind, wird von Wandlern angegriffen und verprügelt, entkommt knapp einem Feuer und dann wird sie noch in eine Hütte eingesperrt, ohne den Tod des Rétoél zu verhindern. Klar, er wäre eh nicht mehr lange anführer gewesen, aber dieser Schlag würde die Psyche der Chetessen stark schädigen und ihnen alle Hoffnung nehmen. Verdammt, warum war sie nur in diese Falle getappt? Sie hasste sich dafür. Selbst wenn sie jetzt die Kugel finden würde, niemals würden die chetessen mehr stark genug sein. Wenn schon ein Dschat alleine die mächtigsten Chetessen überrumpeln und einige von ihnen sogar töten konnten, wie sollten sie dann gegen eine armee von ihnen ankommen? Das Florence und Hank gegen die anderen Wandler denen sie begegnet waren überlebt hatten, war mehr Glück als verstand gewesen. Floirence versuchte, durch handbewegungen von den Fesseln los zu kommen, doch es wollte ihr nicht gelingen. Die Füsse waren an eisernen Ketten mit der Wand festgemacht. Ohne einen Schlüssel wurde sie da nicht raus kommen. Aber die Fesseln... Sie drehte und schob, aber es half nichts. Dann kam ihr eine Idee. Sie zog Wasser aus dem Boden und pumpte sie in die Fesseln. Diese lockerten sich ein wenig, aber nicht genug um heraus zu kommen. Sie Fluchte und schlug mit den Gefesselten Händen gegen den rauen Putz der wand. Sie musste weinen, denn sie bekam plötzlich panik. Wieder und wieder versuchte sie, die Fesseln zu lösen, ohne erfolg. Dann bekam sie Panik, denn jemand betrat das Haus. Es war wieder der grauharige Mann von eben, der sie nieder geschlagen hatte. In der Hand hatte er ein Messer. Er kam auf sie zu, beugte sich zu ihr herab und flüsterte ihr ins Ohr: „Na, süße? Hast du es gehört? Der Rétoél ist tot. Du hast schon wieder versagt, Florence. Oder soll ich Hatie zu dir sagen. Bei der erwähnung ihres alten namens spuckte Florence dem Mann ins gesicht. „Wer bist du?“, keifte sie. „Man nennt mich Ida.“, stellte sich der Mann vor. Und du bist nur ein kleines schwaches Mädchen.“ Er hielt ihr das Messer an die Kehle. „Und du musst jetzt sterben.“, flüsterte der mann. Florence wollte nach ihm treten, aber die Ketten hielten sie fest. Sie wollte einen Schild aus Wasser formen, doch als Ida den Schild berührte, fiel er bereits, zu Florence erstaunen, zusammen. „Das ist dein...“, Ida betonte jedes Wort, „End...“, plötzlich sprang ein junger mann von hinten auf Ida zu und riss ihn von Florence weg. Er hatte buschiges blondes Haar und einen Dreitagebart. Er hatte mehrere Narben auf dem Gesicht. Zwei über dem rechten Auge und noch eine Quer über dem Linken Lid. Eine vierte Narbe schnitt ihm über Die Lippen. Er war Muskulös, muskulöser als Hank, dessen Muskeln man erst sehen konnte, wenn er kein Oberteil trug, er hatte sogar mehr Muskeln als Andrew. Daraus folgerte Florence, das es sich um einen Éemry Myts handeln musste. Seine blauen Augen funkelten streitlustig und er Trug eine Uniform mit einem Schwert darauf. Ida hatte sich aus den Armemn des jungen Kriegers winden können und wollte mit dem Messer ausholen. Der Éemry Myts duckte sich, drehte sich dabei um die eigene Achse und fuhr dann nach oben, die Faust geballt. Der Schlag schleuderte Idas Handgelenk aus seiner fassung, es knackte und Ida schrie, er versuchte, die Finger gegeneinander zu schlagen, um sich zu Wandeln, doch alle Kraft war aus seinen Fingern gewichen, darum stürmte er mit einem gewagten Sprung aus dem Fenster. Der Éemry Myts folgte ihr. Ida lief einmal um das Haus herum, der Krieger folgte ihm. Als er um die Ecke bog, war der Wandler leider schon verschwunden. Aus dem Haus hörte er Florence rufen: „Hallo? Ich wäre dir Dankbar, wenn du mich befreien würdest.







Donnerstag, 19. September 2013

Converter von Jack - Teil 10

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Kapitel 14

Florence wurde geweckt vom süßlichen Geruch eines Pilzragouts. Hank hatte einen Topf über das Feuer gehängt und rührte mit einem hölzernen Löffel in der bratenden Speise. „Guten Morgen.“, lächelte Hank. „Gut geschlafen?“, „Wie ein Stein.“, antwortete Florence und setzte sich neben Hank. Die Feuchte Morgenluft war kühl und Nebelschwaden waberten durch den saftig grün leuchtenden Wald. Die sonne begann, den Boden aufzuwärmen und fiel in graugelblichen Strahlen auf die Erde. Trotzdem fror Florence und sie setzte sich näher ans Feuer. Es knisterte und glomm in einem schönen Orange. Aber auch ein bedrohliches Rot mischte sich hinein. Andrew hatte immer erzählt, als Frieden waren, haben die Rédniz Myts zum Herbstanfang ein riesiges Feuer angezündet und mit ihren Fähigkeiten wundersame gestalten in allen Farben des Regenbogens durch die Flammen laufen lassen. „Ach, Andrew“, flüsterte sie. Florence spürte, wie Hank ihr einen scharfen Blick zuwarf. Sie schämte sich so sehr, das sie sich nicht traute, ihn anzublicken. Ihre anfänglichen Gefühle zu ihm waren zu Bewunderung geworden. Sie bewunderte seine Klugheit, seinen Mut und seine Stärke ihm Kampf. Er war selbstlos und nicht immer zu ernst. Aber Andrew Liebte sie. Das war der entscheidende Unterschied. Als Hank fertig mit dem frühstück war, goss er die leicht braune masse in eine Schale und reichte sie Florence. Dampf stieg von ihr auf und Florence musste unweigerlich niesen. Es war ein Gewaltiger laut. Irgendwo in der Ferne flatterten Vögel auf. „Was war das denn?“, fragte Hank irritiert. „Liegt in der Familie“, rechtfertigte sich Florence.

Die beiden setzten ihre reise fort. Die Bäume wurden größer und dunkler und die Sonne wurde immer weiter zurückgedrängt. „So war es in Tyts aber nicht.“, bemerkte Florence, der die Bedrückende Dunkelheit Angst machte. „Vielleicht lichtet sich der Wald noch.“, vermutete Hank. Aber er tat es nicht. Er wurde sogar noch tiefer. Der Abstand zwischen den Bäumen Schmolz und Florence und Hank hatten Probleme, nicht von irgendwelchen herunterhängenden Ästen gepeitscht zu werden. Nach langer Zeit blieb Florence stehen. „Es ist Abend.“, erklärte sie Hank. Der legte den Kopf schief und legte die Stirn ungläubig in Falten. „woher willst du das wissen? Hier scheint kaum Sonne. „Mein Magen hat gerade geknurrt. Das ist...“, sie machte eine theatralische Geste. „...Ein untrügliches Zeichen, mein Lieber.“ Hank lachte. Trotz der Dunkelheit zog Hank es vor, kein Feuer zu entzünden, da er befürchtete, die Bäume könnten Feuer fangen. Also wickelten sie sich nur in ihre Decken. Aufgrund der daraus resultierenden Kälte war es schwer einzuschlafen, doch dann wurden die Geräusche der Lebewesen des Waldes doch immer schwächer. Sie träumte, wie die Tage davor auch, von einer kleinen, goldenen Kugel, doch heute erwachte sie Früher als sonst. Sie drehte sich zur Seite, um zu sehen, ob Hank noch schlief, aber er war nicht da. Panisch stand sie Auf. Wo war Hank? Sie durchwühlte seine decken, sah sich um und verließ sogar einige Schritte das Lager. Aber er war nicht da. „HANK!“ schrie sie. „Hank!“, aber er antwortete ihr nicht. Was sollte sie tun? Ihr fiel nichts ein. Schließlich setzte sie sich einfach hin. Und wartete. Bis der Morgen anbrach. Aber er kam nicht. Auch, als wieder die Sonne hinter dem Horizont verschwand, kam er nicht wieder. „HANK!“, schrie sie immer wieder. Niemand antwortete. Niemand kam. Florence brach in tränen aus. Warum kam er nicht? War er verletzt? War er gegangen, war er freiwillig gegangen? Aber warum sollte er? Sie sah auf. Die Bäume standen so dicht. Wo war Norden? Wo Süden? Ohne Hank war sie verloren. Und die Bäume standen so dicht, das sie nichts sehen konnte. In einem goldenen Ton leuchtete die Sonne durch den Wald. Sonne? War sie nicht untergegangen? Sie kniff die Augen zusammen und blickte tiefer in den Wald hinein. Es war keine Sonne. Was dann? Trotz ihrer Angst fror sie kaum. Warum? Was war das für ein Licht? Es kam auf sie zu. Es bewegte sich sehr schnell. Zu schnell. Sie ging doch kaum. Sehr langsam, Fuß vor Fuß setzend ging sie darauf zu. Es schimmerte. Es strahlte. Kleine leuchtende Flimmer flogen durch die Luft. Plötzlich wusste sie, was das für ein Licht war. Sie drehte sich um, so schnell sie konnte, wusste nicht, wohin, nur, wohin nicht. Das, was sie gesehen hatte- Feuer. Es brannte hinter ihr, so unglaublich heiß. Ausgerechnet jetzt. Sie war alleine. Hank war fort. Und dann brannte auch noch der Wald. Sie rannte und rannte. Immer weg vom Feuer. Der Nebel betäubte ihre Sinne. Sie musste weg. So schnell, wie sie konnte. Weg! Einfach nur weg!

Florence spürte, wie die Flammen näher kamen. Sie hatte sich das Feuer nicht so vorgestellt. Es war schrecklich heiß und fraß sich mit einer solchen Geschwindigkeit durch den Wald, das es Florence bald schon eingeholt hatte. Von Zeit zu Zeit hörte sie, wie einige Vögel aufflatterten, um dem Feuer zu entkommen. Funken sprühten an ihr vorbei und ihr Réssyw myts Instinkt schrie jede Sekunde laut auf, in der das Feuer näher kam. Ein Fluss wäre die Rettung gewesen, aber es kam keiner. Die dichten Bäume versperrten Florence den Weg und das Feuer mit ihren Kräften zu löschen wäre töricht, denn so ein gewaltiges Feuer war nicht zu bremsen, schon gar nicht, bei so trockenem Boden. Die brennenden Blätter knisterten, die Hölzer zischten, die Flammen loderten, lauter, als Florence Schritte. Sie schrie, wonach wusste sie nicht. Florence wollte weg, doch wohin? Das Feuer kam von überall, der Wind drehte sich häufig, sodass Florence die Richtung ändern musste, wenn eine Böe die Flammen in eine andere Richtung trug. Wo war Hank? Hatte er fliehen können? Und wer war überhaupt für das Feuer verantwortlich? Florence interessierte es gar nicht. Sie musste jetzt weg. Schnell. Oder sie würde verbrennen. Funken schlugen auf sie über, verbrannten ihre Haut und sie musste im laufen Wasser aus den Blättern und dem Boden ziehen, um die brennenden Haare zu löschen. Es roch nach Mandeln und Holz. Immer mehr Flammen züngelten an ihr hoch. Sie versengten ihre Kleidung, drangen in ihre Haut ein. Florence schrie vor Schmerzen. Dann weinte sie. Es war vorbei. Sie hatte verloren. Das Feuer war schneller. Nichts gab ihr Hoffnung. Tyts hatte sie nicht entdeckt. Ihre Mutter erkannte sie nicht mehr. Die Wandler griffen ihre Heimat an. Hank war fort, Andrew war nicht aufzufinden. Will hatte sie verraten, wem konnte sie noch trauen? Sie würde ohnehin irgendwann sterben. Warum nicht jetzt dem Leben ein Ende machen? Sie blieb stehen, ließ sich von den Flammen einhüllen. Sie unterdrückte den Schmerz. Sie spürte das heiße Feuer auf ihrer Haut. Die sengende Hitze, die ihr Tränen in die Augen laufen ließ. Der Tod rückte immer näher. Sie kniete sich hin. Sah, wie ihr Körper brannte. Ihre Haut schmolz wie flüssiges Wachs. Nichts spürte sie. Ihre Sinne waren betäubt. Sie konnte nur hoffen, dass es bald zu Ende sein würde. Was gab ihrem Leben Sinn? Nichts. Sie schrie noch einmal auf, dann schloss sie die Augen. Wie eine menschliche Fackel, auf dem Boden zusammengekrümmt, lag sie da und wartete auf das Ende. „Andrew, es tut mir leid.“, flüsterte sie „Lebe wohl, Hank“. Alle Erwartungen der Chetessen in sie waren vergebens gewesen. Die Hoffnung war umsonst gewesen, die Quelle versiegte. Alles war vorbei. So fühlt es sich also an, zu sterben, dachte Florence und blieb auf dem Boden liegen. Trotz der höllischen Schmerzen wusste sie, es würde bald vorbei sein. Hoffentlich. Das Ende der Welt stand bevor und sie, erbärmliches Wesen würde verbrennen, weil sie zu feige war, bis zum Schluss durchzuhalten? War sie wirklich so feige? Ja. Das war sie. Dann wurde Florence schwarz vor Augen, ohne zu wissen, ob sie jemals wieder erwachen würde.
Vielleicht. Vielleicht auch niemals mehr.

Kühles Wasser schreckte sie auf. Es sprudelte sanft über ihre verbrannte haut, trotzdem brannte es. Durch die Flammen konnte Florence eine gestalt sehen, die sich todesmutig durch die Flammen schlug. Die gestalt hatte sich eine nasse Decke über den Rücken gelegt und kam damit auf Florence zu. In der Hand hielt er eine Wasserkugel, die er auf sie schleuderte. Es war Hank. Florence Lippen waren aufgeplatzt und ihre Kehle war trocken. Die unglaublichen Schmerzen schossen ihr plötzlich durch jede einzelne Zelle ihres Körpers und sie wollte schreien, doch sie brachte nur ein kehliges gurgeln zustande. Hank erreichte sie und schleuderte mit Wasser um sich das er von irgendwo herholte. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn. An einigen stellen stieg heißer dampf auf, einige stellen konnte Hank nicht löschen. Er umfasste sie an der Taille und in den Kniekehlen und hob sie vom Boden auf. Er hatte seine Hände fest aufeinander gepresst und murmelte ein Mantra, in ständiger Wiederholung. Dann formte er wieder eine Kugel und schleuderte sie auf die Flammen. Doch diesen konnte das nichts anhaben. Er formte noch weitere Kugeln und warf sie in die Flammen, doch Hank kam nur sehr langsam voran, denn wo er eben ein Feuer gelöscht hatte, konnte sofort ein heißer Funke das trockene holz zum auflodern bringen. Er schrie wieder und schleuderte Wasser in die Flammen. Dann kam eine Weile nichts von ihm. Florence sah auf Hanks Hände herab. Sie zitterten vor Anstrengung und Brandblasen traten hervor. Er ballte die Fäuste und biss die Zähne zusammen. Dann legte er die Handflächen hochkant und spreizte die Finger. Zwischen ihnen schimmerte es plötzlich Blau und diese Farbe glitt, in kreisenden Bewegungen auf die Mitte der Hand zu. Dort schoss plötzlich ein Grashalmbreiter Wasserstrahl heraus. Er wurde breiter und breiter, bis der Strahl in etwa die Größe eines Tellers erreicht hatte. Mithilfe dieser Wasserwerfer bahnte er sich einen Weg durch das Feuer. Trotzdem war die Hitze unerträglich und die Aufgeheizte Luft flimmerte. Als sie einige Meter geschafft hatten, viel ein brennender Kohlrabenschwarzer Baum um und hätte die beiden Fast erschlagen. Hank konnte Florence im letzten Moment von sich fort schleudern. Der Baum sauste zwischen die beiden und für einen Moment verlor Florence ihren Retter aus dem Blick. Mit aller kraft richtete sie sich auf und wankte auf den Baum zu. Sie wollte seinen Namen rufen, doch sie konnte nicht mehr. Das aufrichten hatte ihr viel Kraft gekostet und sie konnte kaum laufen. Sie stützte sich am verbrannten Boden ab und krabbelte zum Baum. Sie zog sich an einem Ast hoch, der gerade nicht brannte. Hank lag flach und ausgestreckt auf der anderen Seite. Er hatte die Augen vor Anstrengung und Schmerzen zusammengekniffen. Der Baum lag auf seinem rechten Fuß und zerquetschte ihn. Florence versuchte mit der Energie, die ihr geblieben war, den Baum wegzuziehen, doch er war mindestens 30 Zentimeter dick, all ihre Anstrengungen waren vergebens. „Florence!“, rief Hank. „Hörst du mich?“ sie nickte. „Der Baum ist zu schwer, du kannst ihn nicht wegschieben, ich auch nicht. Geh immer Richtung Osten. Versuch, so schnell zu laufen wie du kannst und dräng die Flüssigkeit deines Körpers nach außen, um dich zu kühlen. Aber Nicht zu viel!“, riet er ihr. „Am Waldrand steht eine alte Frau, bring sie zu mir.“, Florence nickte, obwohl sie nicht wusste, ob sie es bis zum Waldrand schaffen würde. Sie zog ein wenig ihrer Körperflüssigkeit nach außen, gerade so viel, wie sie konnte. Dann rannte sie. Ihre Beine waren weich wie Gummi und sie viel häufig hin. Immer der Richtung folgend, in die Hank gezeigt hatte. Wieder hörte sie ein unheilvolles Knarren. Ein weiterer Baum fiel um und verfehlte sie nur knapp. Der Boden war schwarz von der Kohle und der rauch stieg Florence in Mund und Nase. Das Atmen fiel ihr schwer und sie musste husten. Sie blieb stehen und riss einen Fetzen Stoff von ihrem Mantel. Sie schlug die darauf brennenden Flammen nieder und band sich das Tuch übers Gesicht. Florence rannte weiter, aber sie konnte nichts sehen. Mehrmals glaubte sie, im Kreis gelaufen zu sein und war fast daran, aufzugeben, als sie plötzlich kühle, frische Luft auf ihrem Gesicht spürte. Sie warf sich in das frische, nasse Gras. Vor ihr stand tatsächlich eine alte Frau, die mit den Händen wild gestikulierend Wasser aus dem Boden zog und damit das Feuer am Waldrand aufhielt. Florence sah nur die aufgerissenen, Alten Lederstiefel und den Saum ihres braunen Rockes, der dreckig und faltig, wie Lumpen von ihrer Taille fiel. Doch als sie nach oben blickte, sah sie in ein wohl bekanntes Gesicht. Die Frau blickte nicht in Florence Gesicht sondern formte weiter große Wasserpeitschen, mit denen sie den Waldrand bearbeitete. „Schön, dich wieder zu sehen, Florence.“, sagte sie. Florence konnte nicht fassen, wen sie da sah. Vollkommen aus der Fassung klappte ihr Unterkiefer nach unten und sie vergaß die Schmerzen für einen kurzen Moment. „Lyréssa!“




Sonntag, 8. September 2013

Converter von Jack - Teil 9

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Kapitel 13

Das kleine Messer wurde wieder zum Morgenstern. Die blonde Frau lachte Diabolisch und ließ dann die stachelbesetzte Kugel durch die Luft sausen. Florence rollte sich zur Seite und holte tief Luft. Sie versuchte sich zu konzentrieren und erneut einen Schild aufzubauen, doch als die Erde neben ihr vom Schlag der goldenen Waffe durchpflügt wurde, war alle Konzentration dahin. „Hank!“ kreischte sie. Als der Morgenstern ein zweites Mal herunterstürzte, blieb er plötzlich direkt vor ihrem Gesicht stehen, nur Hanks Schild war davor. Florence’ Schild wäre bei so einem Mächtigen Schlag in Tausende kristallklarer Tropfen zersprungen, aber Hanks Schild hielt stand. Er war in kurzer Zeit stärker geworden als sie, aber das er SO stark war, hätte sie ihm nicht zugetraut. Florence versuchte ein weiteres Mal, eine Wasserkugel zu Formen. Sie presste es zu einer dünnen Scheibe. Dieses Mal wurde der Schild wiederhergestellt. Hank zeigte mit der linken Hand nach hinten, während er den Schild mit der Rechten Hand festhielt und einen Schlag des Zikmannes zu parieren. Hanks linker Zeigefinger deutete auf eine hohe Fellsformationen, die an der linken und rechten Seite geschlossen war. So waren die beiden Seiten und der Rücken Gedeckt, und die Angriffe konnten nur von Vorne kommen. Als gerade kein Angriff der Ziks erfolgte, stürmten Florence und Hank nach Hinten zwischen die schützenden Felsen. Florence sah sich um. Die beiden Ziks standen direkt vor ihnen, der Re krümmte sich nach Hanks Wurf mit dem Schild immer noch am Boden. Die Zikfrau veränderte die Form ihrer Waffe erneut. Eine zarte, dünne Goldhaut spannte sich zwischen einem gebeugten gewaltigen goldenen Bogen. Sie legte einen goldenen Pfeil an und schoss damit gegen Florence Schutzschild. Er blieb zitternd stecken, ohne ihn zu durchdringen. Florence lachte auf. „Mehr kannst du nicht?“, verhöhnte sie die Zik. Doch als sie deren Gewinnerlächeln sah, verging ihr das lachen. Der Goldene Pfeil veränderte sich. Er trennte sich in viele kleine Teilchen zusammen. Er bewegte sich immer schneller und zerfiel in immer kleinere teile. Diese schienen zu zerschmelzen, dann zischte es und sie lösten sich auf. Verwirrt sah Florence dampf aufsteigen. Sie spürte wie es heißer wurde und zog instinktiv die Hand zurück. „Einfache Physik. Reibung erzeugt wärme. Und diese Wärme hat deinen Schild verdampfen lassen.“, lachte die Zikfrau. Florence fluchte. Die blondinen-sind-doof-regeln galten für diese Frau wohl nicht. Hank warf ihr seinen Schild zu. „Gib mir Deckung, ich probiere etwas aus.“, zischte er ihr ins Ohr. Er verschwand im hinteren Teil der Formation, während Florence den Schild hielt. Das silberne Messer des Zikmannes wurde länger und breiter. Auf einmal hielt er ein Prachtvolles Schwert in der hand. Er dreschte damit auf Florence’ Schild ein und die Zikfrau half ihm dabei. Florence blickte an den beiden vorbei. Der Re hatte sich nicht mehr bewegt. Er hustete und Blut schoss aus seinem mund. Plötzlich lief es Florence kalt den Rücken herunter. Wo war der Dschat? Ein riesiger Jaguar sprang von Oben auf sie Herunter. Im letzten Augenblick konnte sie noch den Schild hochreißen. Die Raubkatze biss mit den gewaltigen Eckzähnen in den Wasser Schild. Ihr Unterkörper war ungedeckt und der Jaguar war schwerer als sie gedacht hatte. Es sah schlecht für sie aus. Hank saß derweil mit geschlossenen Augen hinter ihr und murmelte etwas vor sich hin. Sie war auf sich alleine gestellt. Ein Schwerthieb traf sie am Knie und sie stöhnte. Schmerzen brannten in ihr. Kurzzeitig verlieh ihr die Wut unglaubliche Kräfte. Sie stemmte den Schild nach oben und drückte ihn ruckartig nach vorne. Der Jaguar konnte sich auf dem glatten Wasserschild nicht festhalten und rutschte nach vorne. Dann fiel er herunter. Exakt in diesem Moment wollte der Zikmann mit seinem Schwert ausholen um Florence das Bein abzuschlagen. Der Jaguar fiel mit der Brust auf das Schwert. Der Zig Mann fiel nach hinten. Nun stand nur noch die Zikfrau. Sie nutzte es aus, dass Florence den Schild nach oben geschoben hatte und verwandelte den Morgenstern in einen Speer. Sie wollte gerade Florence Kopf aufspießen, als eine Faust auf den Kopf der Wandlerin herunter fiel. Sie sah Sterne, dann wurde es schwarz und sie fiel in sich zusammen. Vor Florence stand eine bläulich schimmernde gestalt. Sie hatte so etwas schon einmal gesehen, als Lyréssa sie erschaffen hatte um Florence vor englischen Soldaten zu retten. Diesmal hatte Hank ihn erschaffen. Er war verhältnismäßig klein und grob, die Arme waren sehr kurz und unterschiedlich lang, die Füße waren zu einem einzigen Klumpen verschmolzen. Ein Méleg. Na ja, ein halber. Aber er hatte Florence das Leben gerettet. Unaufhörlich tropfte Wasser von ihm herab. Hank stöhnte. Dann zerfiel der Méleg platschend und nur eine kleine Pfütze aus Wasser blieb von ihm übrig. Hank hustete. „Geht es dir gut?“, fragte Florence. Hank nickte. „Ich bin nur müde.“, antwortete er. „Nur ein...wenig...“, dann schlief er ein. Florence rüttelte ihn wieder wach. „Wir müssen hier weg, gleich stehen die hier wieder auf!“, erklärte Florence und deutete auf die Wandler. Hank schlug müde die Augen auf. Er legte den Arm um Florence und sie trug ihn fort. In unmittelbarer Nähe lag ein Laubwäldchen mit Eichen und Erlen und Florence schleppte sich dort hin. Es ging langsam voran, denn Hank war sehr geschwächt. Er musste oft verschnaufen und Florence befürchtete, dass die Goldwandlerin bald wieder auftauchen und sie töten würde. Doch schon bald erreichten sie den wald. Dort würde es schwerer sein, sie zu finden. Am liebsten wäre florence einen Baum hinauf geklettert, doch Hank war dafür zu schwach. Also setzten sie sich vor den Gewaltigen Stamm einer Mächtigen Eiche. Florence dachte noch einmal über alles nach. Über ihr Leben als chetesse, über hanks plötzlichen kräfte und über die wandler, die sie beinahe getötet hätten. Aber es gab einige Widersprüche. Wo hatte Hank gelernt, einen Méleg zu erschaffen? Wenn doch Will sie beschattet hatte, wieso waren dann die 4 Wandler nach London gekommen? Woher hatten die Wandler gewusst, das sie, Florence, eine Réssyw Myts war? Und auch dinge, die vor langer Zeit passiert waren kamen ihr wieder in den Sinn. Es gab so viel zu beachten, es war alles so verworren. Wie passte was zusammen? Florence hielt noch den ganzen Abend Wache. Sie war zu allem Bereit, aber niemand kam. Kein Wandler kam in das Wäldchen. Hank und Florence waren der Gefahr entronnen. Als die Sonnenstrahlen bereits durch das Blätterdickicht fielen, genehmigte auch Florence sich ein Schläfchen. Sie träumte von Gewaltigen rmeen und Mächtigen Männern und Frauen. Dann sah sie zwei junge Männer, die an irgendetwas schmiedeten. Es war eine Goldene Kugel. Sie war etwa Faustgroß und Hohl. Die Wände waren so dünn, das man fast durch sie hindurchsehen konnte. Auf einer seite war ein Daumennagelgrosses Loch. Als ein Sonnenstrahl durch diese Öffnung fiel, strahlte die Kugel in allen Farben des Regenbogens. Plötzlich fiel die Kugel aus der Hand des Schmiedes und eine Andere Hand fing die Kugel auf. Das Wesen, das die Hand ausstreckte, blieb im Schatten. Das Wesen ließ den Goldenen Gegenstand fallen. Er fiel und fiel. Ein summen durchdrang Florence’ Kopf. Es wurde immer lauter. Aus Summen wurde flüstern aus Flüstern Gesprochene Worte. Lyt sé daté. Die Stimmen wurden lauter. Es wurden Schreie. Dann wie auf Kommando wurden sie Still. Florence schreckte auf. Obwohl der Traum vergangen war, blieben die Worte in ihrem Kopf. Lyt sé daté. Das war Tjangú, aber Florence konnte es nicht übersetzen. Sie verdrängte den Gedanken aus ihrem Kopf und blieb sitzen, während sie dem Zwitschern der Vögel lauschte.



Am tag darauf konnte Hank wieder Laufen, ohne von Florence gestützt zu werden. Die beiden wussten anfangs nicht, wohin sie nun gehen sollten, aber irgendwann hatten sie sich darauf geeinigt, nach osten zu gehen, da von dort die Chetessenspuren gekommen waren. Es war eine ereignislose Wanderung. Sie folgten einer Reihe von Wäldchen, gelangten dann in die Nähe eines kleinen Dorfes. Florence und Hank fragten die Einwohner nach einer Gruppe von Wanderern, die vor kurzem durch die Stadt gelangt waren. Eine junge Frau erzählte ihnen von Zwei grösseren Gruppen wanderern, die in letzter Zeit aufgetaucht waren. Die einen kamen von Nord-osten und die anderen von Osten. Florence wusste noch, das The Oak, die Stadt in der Lyréssa gelebt hatte, in Nördlicher Richtung lag, darum schlug sie Hank vor, nach Nordosten zu gehen.

Sie setzten ihren Weg fort und schafften noch weitere 11 Kilometer, bevor sie ein Lagerfeuer am Rand eines Nadelwaldes erzündeten. Es war kühl, darum drängten sie sich dicht aneinander. Der Vollmond schien fahl herunter und das Feuer prasselte. Obwohl Florence so viel auf dem Herzen lag, schlief sie, erschöpft von der Wanderung, unter dem Hellen Sternenhimmel ein.

Weitere Tage der wanderung folgten. Sie kamen durch zig weitere Städte, ohne viel mehr zu erfahren, als die mögliche Himmelsrichtung. Allmählich erinnerte sich Florence an einige Markante Punkte. Es wurde felsiger und oft mussten sie weite Strecken gehen, um Orte zu erreichen, die hinter riesigen Glatten und steilen Felsformationen lagen. Doch dann erreichten sie endlich einen Wald, der ähnlich aussah, wie der Wald, hinter dem Tyts lag. Florence Laune verbesserte sich zusehends und Hank wurde auch gesprächiger. Als sie eines abends am Feuer sassen, unterhielten sie sich eine Weile. „Meinst du, unser Leben verändert sich noch mehr? Ich meine, weil wir diese Kräfte haben und so.“, fragte Florence. „Sicher. Der Kampf ist noch nicht vorbei.“

„Ja, aber wir kennn jetzt auch die Wandler und wir haben sie besiegt.“

„Der Converter hat sicher nicht seine besten Männer geschickt.“

„Oder Frauen.“, ergänzte Florence. Hank lachte. „Wie würdest du reagieren, wenn der Converter vor dir steht?“,Fragte er.

„Schleunigst wegrennen?“

„Die Tür ist verschlossen.“

„Dann durchs Fenster.“

„Verschlossen.“

„Trotzdem durchs Fenster.“ Wiederholte Florence. Hank schmunzelte. „Du findest auch immer einen Weg, wie?“, fragte Hank.

„Wo Hoffnung ist, ist auch ein Weg. Jetzt zum Beispuiel hoffe ich, nach Tyts  zu kommen. Ob Andrew noch lebt?“ fragte Florence, eher an sich selbst gewandt. Stille. Hank machte ein Finsteres Gesicht. Er liebte sie immer noch und die Erwähnung von Andrews Namen riss ein riesiges Loch in sein Herz. Es loderte Wut in ihm Auf. Aber er versuchte, gute Miene zum Bösen spiel zu machen. Als niemand mehr etwas sagte, drehte er sich in seiner Decke um und schloss die Augen.



Der Wald war gross und ihn nach einer kleinen Stadt abzusuchen erwies sich schwerer, als zuerst angenommen. Florence Idee, sich zu trennen, lehnte Hank strickt ab. Es sei zu gefährlich, vielleicht befänden sich Wandler in diesem Wald. Hank hatte sowieso noch nicht verstanden, woher die Wandler gewusst hatten, wie Florence aussah. Hatte Will herausgefunden, wie sie nun aussah? Das war nur schwer vorstellbar. Florence war die meiste Zeit im Haus geblieben. Und aufgefallen waren sie ja nicht gerade. Er hatte gearbeitet wie jeder andere Brite und seine Kräfte nie angewandt. Mit der Zeit ging Hank die Situation ziemlich auf die nerven. Er begann, den Wald zu Hassen. Die feuchte Luft, die nassen Blätter, die utschige Erde und das ganze Viehzeugs, das ihn in Augen Ohren und Mund flog. Und Florence ging ihm auch auf die nerven. Immer redete sie nur von Andrew. Andrew hier, Andrew da. Er war plötzlich nur Luft für sie. Und es war ihm, als fiele jedes mal ein stück von seinem Herzen herab, bei jedem Andrew-gefasel ein stück mehr. Dann schlägt ein riesiger Hammer auf diese Stückchen und zermatscht sie zu Brei, der durch seinen Ganzen Körper floss und ihn mit hass erfüllte. Es war schrecklich. Denn er liebte Florence mehr, als alles andere auf der Welt. Fast alles. Aber nachts fand er Ruhe. Auch in dieser Nacht. Nachdem er wieder stundenlange reden über Andrew anhören musste, machte er es sich in seinem Schlafsack gemütlich und wartete, bis Florence ruhiger atmete. Er sah ihr noch eine Weile zu, um sicher zu gehen, das sie Schlief, denn schlich er weiter in den Wald. Er Rief ihren Namen. Manchmal einige Minuten lang, bis sie dann kam. Die langen, grauen Haare zu einem Zopf geflechtet. Ihre Falten warfen dunkle Schatten über ihr gesicht, aber Hank wusste, das sie lächelte. „Mutter!“ rief er erfreut.


Montag, 2. September 2013

Converter von Jack - Das Artefakt - Teil 8

Die Übersicht der bisherigen erschienen Kapitel findest du >hier<.



Teil 2: Das Artefakt

Vor langer Zeit, als noch alle Stämme der Chetessen über die Erde Wandelten, da fand ein junger Wandler in den Ruinen eines noch älteren Volkes den Freheli, einen Ring, der Seine Macht so sehr verstärkte, das es niemand wagte, ihn anzugreifen. Er war der erste Converter und befahl den anderen Wandlern die Chetessen anzugreifen, sie zu besiegen und von der Erde zu Tilgen. Damals lebten zwei Brüder, Sléf und Noéts. Sie waren Mitglieder des Nésoé Myts, dem Schmiedestamm. Sie hörten von der Macht des Ringes. Sléf, der Stärkere der Beiden scharte die besten Chetessenkrieger um sich und griff den Converter an, doch er war zu Mächtig und tötete Sléf. Noéts hörte dies vom einzigen überlebenden und schmiedete eine Goldene Kugel, die die Macht des Ringes brechen konnte. Doch bevor Noéts sie einsetzen konnte wurde Tyts von Wandlern überfallen, welche die Kugel stahlen und sie ins Lyt sé daté warf, dem Todestal. Damit begann die Blütezeit der Wandler und die Chetessen wurden zurückgedrängt...

11. Kapitel
Florence lag auf ihrem Bett, die Knie angezogen. Sie weinte und wusste nicht wieso. Seit einem Jahr lebten sie und Hank in dieser kleinen Wohnung in London. Sie hatten keine Chance gehabt, einen weg nach Tyts zu finden. England war groß. Also waren sie hier geblieben und hatten gewartet. Worauf, wusste keiner der Beiden. Es gab nichts zu sagen und nichts zu tun. Florence hatte ihre Hoffnung aufgegeben. Ein Schlüssel drehte sich m Schloss der grauen, schlecht möblierten Wohnung. Hank war zurück. Er kam auf sie zu. In diesem einen Jahr war Hank ein richtiger Mann geworden, denn er hatte Hart gearbeitet um Geld zu verdienen denn Florence hatte es nicht für Nötig befunden. „Wir sterben sowieso alle.“ Hatte sie ihm gesagt. Hank setzte sich auf den Stuhl und kräuselte seinen Bart mit der Linken Hand, während er mit der rechten die Einnahmen des Vortags zusammenklaubte. „Ich hole etwas zu essen“, sagte er mit seiner tieferen Stimme. Er wollte gerade das Haus verlassen, als Florence ihn etwas fragte: „Wo warst du eben?“. Hank drehte sich nicht um, der Wind blies seinen Mantel zur Seite. Florence wusste wo er gewesen war, aber sie wollte sicher sein. „Wie kannst du noch da hin gehen?“, fragte sie. „Ändert die Tatsache, dass es Chetessen und Wandler gibt, etwas daran?“
„Nein, aber die Tatsache das er uns in unserer dunkelsten Stunde alleine lässt.“
„Tut er das?“
„Ja, natürlich.“ Sie zog die Stirn in Falten.
„Ich habe etwas herausgefunden“, platzte es aus Hank heraus. Florence hob interessiert den Kopf. „Ich habe Andrew ausfindig gemacht. Er ist hier. In London.“

Florence spannte den Schirm auf und lief hinter Hank her. Die Menschenmassen umspülten sie und drängten sie hin und her. Die Ladenbesitzer priesen ihre waren an, die Taschendiebe wurden von der Polizei verfolgt in einer Gasse wurde ein Mann zusammengeschlagen. London war ein Brutaler und schlimmer Ort und hier draußen fühlte sie sich überhaupt nicht sicher. Einmal glaubte sie, Hank verloren zu haben, doch dann hatte sie sein Gesicht gesehen und drängte sich nach vorn. Hank erfasste ihre Hand um sie nicht erneut zu verlieren und die beiden drängelten sich weiter. Dann bogen sie in eine schmale Gasse ein. Hank blieb stehen, sah sich um und blickte dann Florence an. „Er ist nicht hier.“, Stellte Florence fest. „Nein. Und er war auch nie in London.“
„Du hast mich angelogen.“
„Ja, du musstest mal aus dem Haus, du jammerst vor dich hin, anstatt das Beste aus deinem Leben zu machen.“
„Die Welt geht unter!“
„Du unternimmst auch nichts dagegen.“, unterbrach sie Hank. Florence wandte das Gesicht ab. „Ich habe aber wirklich etwas herausgefunden. Jemand hat von seltsamen Vorkommnissen in Sussex berichtet. Augenzeugen berichteten von Menschen, die gegeneinander kämpften.“, berichtete er. Florence sah ihn weiterhin nicht an. „Und?“, fragte sie. „Es habe plötzlich einen Wetterumschlag gegeben und es Wurde mit Feuer geworfen und einige sollen sogar Felsen, so groß wie Pferde getragen haben. Und einige haben ihre gestalt verändert.“ Ein Lächeln glitt über Florence’ Gesicht.

Hank bezahlte den Kutscher, als Florence gerade einstieg. Nur wenig später befanden sich die Beiden außerhalb von London. „Wonach suchen wir, wenn wir n Sussex sind?“ fragte Hank. „Nach spuren. Erklärte Florence. Es wird einige geben. Leichen zum Beispiel. Der Wagen rumpelte und Hank verschluckte sich. Er musste husten und Florence lachte. Hank fand das nicht so lustig. Als Florence aus dem Fenster blickte, traf sie ein Schwall Wasser. Mit tropfenden Haaren blickte sie Hank an. Der schüttelte sich vor Lachen. „Mir gefällt dein Humor nicht.“ Machte Florence klar. Hank kicherte: „Ich eigentlich auch nicht.“
Der Kutscher hielt, und die beiden stiegen aus. Sussex breitete sich vor ihnen aus. Eine ländliche Gegend mit niedrigen Hügelketten und schmalen Flüssen. Im Süden die Küste. Die beiden nahmen einen kleinen Feldweg und erreichten kurz darauf einige kleine Häuser. „Mir wurde gesagt, der Kampf hat in Brighton stattgefunden. Das ist nicht weit von hier. Komm wir fragen die Bewohner hier nach dem Weg.“, schlug Hank vor.
Nach langem Wandern und umherirren taten Florence die Füße weh. Sie war durstig, also kniete sie sich an den nächsten Fluss und wusch sich das Gesicht und trank von dem Kühlen Nass. „Nicht weit von hier, hm?“, jammerte sie. „Auf der Karte sah es aus wie ein Steinwurf.“, entgegnete Hank.
„Du weißt schon, dass die Karte mit Maßstab arbeitet?“, fragte sie ihn sarkastisch.

Kapitel 12
Endlich erreichten Hank und Florence Brighton und sie befragten die Anwohner nach seltsamen Vorfällen, aber keiner konnte ihnen mehr sagen, als sie bereits wussten. Darum untersuchten sie das Tal, in dem sich der Kampf abgespielt hatte. Der Boden war zertreten, an einigen stellen waren Brandspuren zu erkennen und trockenes, braunes Blut hing an einigen Grashalmen. Es sah wirklich aus wie auf dem Schlachtfeld. Florence rutschte den Hang hinunter und kniete sich auf den Boden. Es war unbequem, denn sie trug ein kleid, und es verfing sich in Ästen und Gestrüpp. Die Erde war feucht, obwohl es in den letzten Tagen nicht geregnet hatte. Sie suchte nach Fußspuren, fand einige, doch sie verliefen sich nach einer Weile. Hank kam zu ihr herüber. „Da ist nichts, was uns weiterhilft.“, erklärte er. Florence wollte noch nicht Aufgeben. Sie riss sich aus seiner Umarmung und begann, laut zu denken. „Die einen kommen aus Östlicher Richtung. Die anderen aus dem Süden. Nach der Konfrontation, verlassen nur... 4 Menschen den Schauplatz. Es wahren vermutlich Rédniz, Tzolbtilb und vielleicht auch Rétsulf Myts beteiligt.“ Vielleicht auch Andrew, ergänzte sie im Stillen. Es gefiel ihr nicht, dass so wenige überlebt haben. „Die überlebenden sind nur von einer Partei. Nur welcher?“, fragte sie sich. „Die Wandler haben gesiegt.“, antwortete Hank plötzlich. Er stand auf einem Hügel und blickte in die Ferne. „Woher weißt du das?“ fragte Florence. „Gefühl.“, antwortete er knapp. „Gefühl?“ fragte Florence. „Nun, ja, nicht ganz. Siehst du es denn nicht?“ fragte er. „Was?“, entgegnete Florence. „Siehst du die verbrannte stelle? En Blitzeinschlag. In der Asche liegt ein weißer stück Knochen, der Form nach der Wirbelknochen einer Raubkatze. Ein Gestaltwandler also. Die spuren des Panthers kommen von Süden, die Spuren der Überlebenden nach norden. Könnte ein Indiz sein, dafür, dass die Wandler gesiegt haben, aber sie können auch einfach die Richtung gewechselt haben. Haben sie aber nicht. Das sieht man daran, dass sich die Steine in einer Reihe von Süden nach Norden anordnen, ebenso die Blitze, aber das meiste Blut ist im Osten. Die Leichen wurden bereits weggebracht, aber einen verbrannten Menschen zu beseitigen ist schwierig, insbesondere, wenn seine Brandspuren zu dem Bach laufen und er dann nach Norden gegangen ist, und dann auf eine Gruppe anderer Fußspuren trifft, die man an den umgeknickten Gräsern erkennen kann, aber keine Spur von solcher Spuren im Osten oder Westen. Fazit: 7 tote Chetessen, 5 Tote Wandler, 4 überlebende, deren Weg im Norden liegt, und was befindet sich dort?“ beendete Hank seinen Denkfluss. „London!“ entfuhr es Florence.
Die beiden rannten zurück zu ihrer Kutsche. In der Ferne sahen sie, wie er mit einem groß gewachsenen älteren Mann sprach und wie er dem Kutscher einige Münzen in die Hand drückte. Dann setzte sich der Kutscher in den Bock und der alte Mann stieg ein. Dann setzte sich die Kutsche rumpelnd in Bewegung. Hank fluchte und trat ein Grasbüschel durch die Luft. Florence stützte ihre Hände auf die Oberschenkel und atmete tief ein und aus. „Wir... können doch zurück schwimmen, so wie damals.“ Brachte sie keuchend zustande. Hank schüttelte den Kopf. „Siehst du hier einen Größeren Fluss?“ Florence sah sich um. Tatsächlich gab es nur einige kleinere Bäche, die ihr nicht einmal bis zum Knöchel reichen würden. Sie konnte Hank nur zustimmen. Sie bewunderte ihn für seine Intelligenz. Zwar war sie nicht die Dümmste, aber mit Hank konnte sie nicht mithalten. Und gut aussehend war er auch. Aber da war Florence ihm eindeutig überlegen. „Also, was tun wir? Warten bis eine neue Kutsche kommt?“ fragte sie Hank. „Wir schaffen es sowieso nie. Es ist zu spät, der Kampf war vor 2 Tagen, inzwischen sind sie ohnehin in London.“, antwortete Hank.
„Du willst aufgeben?“, fragte ihn Florence.
„Ich weiß nicht, was sie vor haben, aber sie waren bestimmt schon in London, als wir fort waren. Sie hielten sich bedeckt. Sie haben...“, er stockte. Dann hellte sich seine Miene auf. Und dann wurde sein Blick düster. „Sie suchen nach einer bestimmten Zielperson. Sie kommen nach London, bleiben aber da, ohne etwas zu tun. Sie haben also jemanden beschattet. Und ich habe zwei Vermutungen...“, Florence dachte angestrengt nach. „Vielleicht jemand mit viel Energie? Der Converter will bestimmt einen letzten großen schlag vollführen.“, schlussfolgerte sie. Hank schüttelte den Kopf. „Dann würde er niemanden beschatten. Dann würde er mit seiner Armee London zerstören. Ich bin mir sicher, er könnte das. Dann hätte er genug Energie, um Tyts anzugreifen. Er hat Leute ausspioniert, die für den Moment keine Gefährdung darstellen, aber hohes gefahrpotenzial haben...“, erklärte er. „Und diese Personen sind wir.“
Florence rutschte das Herz in die Hose. „Aber...“, stammelte sie, „Wenn sie uns beschattet haben, dann wissen sie...“ in diesem Moment Rauschte es und der erdige Boden neben ihr stieg plötzlich an. Er wuchs ihren Körper herauf und hielt Arme und Beine fest. Sie stieß einen Kurzen schrei aus. Dann konzentrierte sie sich und hob das Wasser in ihrer Umgebung herauf und formte einen Grossen Wasserball. Sie formte in Gedanken eine Platte und bildete einen Schutzschild. Drei Männer und eine Frau kamen auf sie zu. Der eine hatte seine hand ausgestreckt und wies damit in ihre Richtung. Anscheinend war er für ihre missliche Lage verantwortlich. Hank neben ihr war nicht gefesselt und hatte ebenfalls einen Schild gespannt. Florence hatte plötzlich viele Fragen. Sie versuchte sich daran zu erinnern was Andrew ihr über Wandler gesagt hatte:
Es gibt 3 Wandlersorten. Als erstes wären die Elementwandler, auch Re genannt. Sie können die Elemente beeinflussen. Aber sie können nur ändern, was es bereits gibt, sie können nichts Neues entstehen lassen. Das heißt, wenn kein Wind weht, können sie keinen Sturm entstehen lassen. Aber wenn Wind weht, egal wie sanft die Brise auch ist, dann kann daraus ein Tornado werden.“, Also war sie von einem Re an der Erde gefesselt worden. Aber Erde steigt doch nicht an, oder? Wie hatte er es dann gemacht? „Aber es gibt eine Ausnahme. Sie können Dinge, die einst in Bewegung waren und dann stillstanden in ihren alten Zustand zurückversetzen und dann wieder erstarren lassen.“, Klar, der Nasse Boden. Er hat Das Wasser wieder in den Himmel steigen lassen, von dem es, als Regen, heruntergekommen war, und hatte es dann wieder erstarren lassen. Die Erde war dabei mit nach oben gezogen worden.
Aber wer waren die Anderen Wandler?
Die zweiten Wandler sind die Körperwandler. Sie können einen Festkörper jederzeit verändern. Das Problem ist, das sie das nur mit Dingen tun können, die sich gar nicht Bewegen, also ganz still stehen, ein Körperwandler kann nur ein einziges Element des Periodensystems bewegen und es muss in festem Zustand sein... Typisch für Körperwandler, die auch zik genannt werden, ist dass sie immer eine Waffe mit ihrem Element dabei haben. Das können sie in jede Form wandeln, pass also auf, dass sie dir nicht zu nah kommen.“ 
Zwei der beiden trugen Waffen, ein Mann hatte ein silbernes Messer und die blonde Frau einen Goldenen Morgenstern. Aber der 3. Mann hatte keine Waffe. Dann musst du ein Gestaltaltwandler sein, ein Dschat. Sie waren besonders gefürchtet. Der Dschat spreizte die Finger und krümmte sie leicht nach unten. Er schlug die Fingerspitzen aneinander und plötzlich veränderte er sich.

Zuerst wurden die Ohren immer spitzer und dann sein Gesicht immer länger und länger. Die Arme wurden breiter und die Beine schlanker. Dann bogen sich die Hände nach Oben und die Kleidung wurde gelblich. Schwarze Tupfer zeichneten sich darauf ab. Dann wuchs im ein Schwanz. Langsam wurde der Vorderkörper länger und die Kleidung wich ganz dem gelben Fell. Der Rumpf senkte sich zu Boden. Der Leopard bleckte die Zähne und Jagte mit langen Sätzen auf Florence zu. Die Erde um sie wurde zusammengedrückt. Alle Luft wurde aus ihr gepresst und der Schutzschild aus Wasser den sie sich errichtet hatte fing an den Rändern an zu Tropfen. Hank neben ihr machte eine Ruckartige Bewegung. Er schleuderte den Schutzschild von sich weg. Er wirbelte kurz durch die Luft und traf dann mit der Flachen wirbelnden Kante auf den Magen des Re. Dieser flog mit einem Stöhnen nach hinten. Der Boden um Florence fiel in sich zusammen. In diesem Moment sprang der Jaguar auf sie zu. Glücklicherweise konnte sie den Wasserschild stabilisieren und der Dschat prallte ab. Er wirbelte mit einem Fauchen durch die Luft und blieb dort liegen. zehn Tiefe Kratzer im Wasserschild prangten an der Stelle, an der der Jaguar getroffen Hatte. Plötzlich stand die Zik Frau vor Florence und sie lies den Goldenen Morgenstern auf den Kratzer hinunterfahren. Aber bevor die stachelige Kugel den Schild erreichte, verwandelte sie sich. Das Gold zersprang in tausende kleine runde Scheiben und setzte sich neu zusammen. Dabei summte es leisen und wurde zu einem schlanken Messer. Es glitt durch die Kratzer des Jaguars hindurch und schnitt in Florence arm. Sie schrie kurz auf. Dann fiel ihr Schutzschild in sich zusammen.


Fortsetzung jeden Donnerstag und Sonntag!

Montag, 5. August 2013

Kampf der Elfen von Daisy - Teil 4

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4. Kapitel ~Samiel~


Ihre Lippen fühlten sich eiskalt auf seinen an, dennoch wich er nicht zurück. Zögernd legte er seine Hand in ihren Nacken und zog sie enger zu sich heran. Fordernd öffnete sie ihren Mund und verlangte Einlass.
Ein Zittern durchlief seinen Körper. Er spürte, wie er die Kontrolle verlor und schob sie unsanft von sich. Ihr Atem war beschleunigt und er konnte trotz der Dunkelheit ihre geröteten Wangen sehen. Mit großen Augen starrte sie ihn an und er hatte das Gefühl, dass er ihr die Sprache genommen hatte. Er konnte sich gerade noch daran hindern, leise zu lachen, nahm sie an die Hand und zog sie vom Waldboden hoch.
„Kommst du mit mir, Fabienne?“, flüsterte Samiel mit Bedacht den Wald nicht zu erzürnen. Er verfolgte jede ihrer Bewegungen und die Stunden der Finsternis waren längst angebrochen. Mit diesen Stunden war auch das Böse, die Gefahr über den Wald herein gebrochen und wäre Fabienne nun allein unterwegs, hätte sie die Nacht mit Sicherheit nicht überlebt.
Er konnte die Bäume flüstern hören, als er sich nun auf den Weg zu ihrem Heim und Heiligtum, dem König der Bäume begab. Fabienne zog er mehr schlecht als recht hinter sich her und machte sich von Sekunde zu Sekunde mehr um sie Sorgen.
Bisher hatte sie keinen einzigen Ton von sich gegeben und schien nicht ganz bei sich zu sein. Lag es an ihm und seinen Kuss, oder gab es einen anderen Grund für ihr Schweigen?
„Fabienne?“, fragte er, als sie den Baum erreichten. „Ist alles in Ordnung mit dir?“
Nach einigen Sekunden Schweigens erhob sie ihren Kopf und sah ihn mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen an. Dann nickte sie vorsichtig und wandte den Blick wieder ab.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, brachte Samiel sie durch die engen Korridore des Baumes zu ihrem Gemach. Er wünschte ihr eine gute Nacht und ohne auf ihre Antwort zu warten, wandte er sich um und lief den Gang zurück. Bevor er den Trakt vollends verließ, wandte er sich noch einmal um. Fabienne stand noch immer vor ihrer Tür, hatte ihm den Rücken zugewandt und den Kopf gegen die Tür gelehnt. Er konnte ihre Schultern beben sehen, den Körper zittern und erst nach Sekunden des Ausharrens begriff er: Sie weinte. Und das hemmungslos.
Einen Moment wünschte er sich, sie in den Arm nehmen zu dürfen und sie zu trösten. Doch er wandte sich ab, verzog das Gesicht zu einer grimmigen Miene und konnte nur eines denken: Das darfst du nicht. Lass es nicht zu.
Er vergrub das Gesicht in den Händen, wippte den Kopf hin und her, bis er sich schließlich dazu aufraffte weiter zu gehen.
Gedankenverloren folgte er den langen, gewundenen Gängen; stieg Treppen hinauf, doch nie eine hinunter. Schließlich hatte die Baumkrone erreicht. Von hier würde es nicht mehr weiter nach oben gehen, denn die Äste wurde zu dünn, um sie länger zu durchwandern.
Müde von der langen Nacht stützte er sich mit miteinander gekreuzten Armen an den Rand der Fensteröffnung, die sich im gegenüber befand.
Der Ausblick war atemberaubend: Man konnte den ganzen Wald überblicken, der sich wie Milliarden Stecknadelköpfe unter dem König aller Bäume erstreckte. Wenn man seinen Blick nur ein Stückchen nach rechts schweifen ließ entdeckte man das große Meer, das noch keiner von ihnen überquert hatte. Niemand wusste was sich hinter diesem rauen und unberechenbaren Ozean verbarg und als kleines Kind hatte ihn oft die Abenteuerlust gepackt. „Mutter, wenn ich groß bin, dann nehme ich ein Schiff und besegele das große Meer! Ich werde ins Blaue fahren und wenn ich wieder heimkomme bin ich ein weiser Mann. Als einziger werde ich wissen, was sich dort draußen befindet, hinter unserem Reich.“
Aus diesem Versprechen, das er sich selbst gegeben hatte war nie etwas geworden, obwohl er noch heute nicht davon abgeneigt war, es zu probieren. Aber er hatte Verpflichtungen als zukünftiger König, die ihn zwangen im Königreich zu bleiben.
Während Samiel noch von der großen Reise über das Meer träumte, wurde der Himmel erst in ein zaghaftes und düsteres grau getaucht und verwandelte sich dann immer schneller in ein blaues, vom Morgen gezeichnetes Dach. Weiche Wolken zogen über den Himmel und er wünschte sich wie nie zuvor jetzt auf einem Schiff zu stehen, die Sonne im Nacken, ein geheimnisvolles Land in Sicht.
Und ein Mädchen war an seiner Seite, dessen kastanienbraunes Haar im Wind hin und her gepustet wurde. Ein Mädchen, dessen zierliche Körper an seinen gepresst war und dessen Gesicht sich an seine Brust schmiegte.
Samiel schreckte aus seinen Träumereien auf, als die große Tür, die zu den Gemächern der königlichen Familie führte, ins Schloss fiel. Einige Sekunden später stand eine Gestalt in einem pastellfarbenen Nachtkleid und blickte in die Ferne des Reiches.
„Guten Morgen, meine Schöne.“, begrüßte Samiel sie und spannte sich automatisch an. „Samiel, mein Prinz.“ Sie nickte und ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
„Habt ihr gut geschlafen? Wie ich sehe, seid ihr schon zu früher Stunde wach und das vollständig gekleidet.“
„Ich habe überhaupt nicht geschlafen, Maira. Ich war die ganze Nacht wach, aber ich hoffe doch, ihr habt euren Schlaf gefunden.“
„Aber ihr müsst euch ausruhen! Ihr solltet jederzeit genug Energie in euch tragen, Liebster. Ihr wisst doch, dass ihr bereit sein müsst.“
„Wofür bereit, Maira? Für unsere baldige Hochzeit?“
„Natürlich. Ich sprach jedoch vom Krieg.“
Samiel schwieg und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
„Ihr wisst, dass viele es für möglich halten, dass Myron uns bald angreift, mein Prinz.“
Er nickte steif und wandte sich vom Fenster ab. Er hatte Maira kein einziges mal geküsst, geschweige denn mit ihr eine Nacht verbracht. Selbst wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, hätte er es nicht getan. Mit einer Elfe vor der Hochzeit mehr als nur höflichen Kontakt zu haben, war dem Prinzen strengstens verboten.
Den Kuss, den er heute mit Fabienne hatte, fiel nicht darunter. Zum Einen war sie ein Mensch und zum Anderen galt diese Regel nur für die Verlobte. Ihm war es also erlaubt, seinen Spaß mit allen Elfen des Königreichs zu haben, aber nicht mit Maira. Nicht, dass er eines von Beiden gewollt hätte.
Dennoch würde er Maira schon bald heiraten müssen, denn der König hatte sie als die Passende erwählt und Samiel wollte nur das Beste für das Königreich; für sein Königreich. Und wenn es Maira war, dann sollte es so sein, auch wenn er sich dagegen sträubte, mit ihr mehr als nur höflichen Kontakt zu haben. Allein sie küssen zu müssen, war ein Gedanke, der ihm einen Schauder über den Rücken jagte.
Dabei war sie eine wirklich schöne Elfe. Nicht dass es überhaupt hässliche gab, aber sie gehörte zu den Schönsten. Ihre schwarzen Haare trug sie in einer Hochsteckfrisur am Kopf und ihr kurvige Figur betonte sie mit teuren Kleidern, die ihr durch die Verlobung zustanden. Ihr Gesicht war mit Ernst gespickt, aber sie wirkte nicht unhöflich oder kalt. Nur erwachsen war sie. Sie dachte wie eine echte Elfe des Königshauses denken sollte und das war für die Entscheidung des Königs ausschlaggebend gewesen.
„Sie ist schlau, mein Sohn und sie ist begabt. In allen Bereichen.“, hatte er zu ihm gesagt, als er Samiels düsteren Blick gesehen hatte. „Außerdem ist sie eine wahre Schönheit. Eure Kinder, die Kinder des Königshauses werden das Gute von euch beiden erben und potenziellen Partnern den Kopf rauben. Das alles ist wichtig, mein Sohn. Du solltest die Wichtigkeit des Königreiches nicht vergessen; stelle deine Wünsche nicht über es stellen.“
Sein Vater war ein weiser Elf, aber auch ein sturer. Dennoch konnte Samiel ihn verstehen, denn auch er wollte nur das Beste für sein Reich, für sein Volk.
Samiel konnte spüren wie sich heiße und unbarmherzige Tränen in seinen Augen bildeten, ohne den Grund für diese zu kennen. Trotzig wie ein kleines Kind wischte er sich die erste von der Wange und drehte sich wieder zu Maira um, die ihn besorgt musterte.
Verdammt, dachte er, ich brauche unbedingt Ablenkung.
„Ich verabschiede mich für heute von euch, Maira. Wir sehen uns sicherlich in naher Zukunft.“
Damit wandte er sich ab und lief die langen Treppen und Gänge hinunter, bis er längst in den unteren Stockwerken angelangt war, dort wo kein Tageslicht mehr zu erblicken war. In den Wurzeln. Hier unten befanden sich viele Dinge, von denen die meisten Elfen nichts ahnten. Ganz weit in die Wurzeln hinein, es war eine wahre Labyrinthswanderung um dort hin zu gelangen, befanden sich die Prophezeiungen, die ihnen die Götter geschickt hatten. Bilder an den Wänden, die eine Elfe Tag und Nacht bewachte. Zu dieser Elfe wollte Samiel nun, um sich endlich Ablenkung zu verschaffen.
Er folgte den verschlungen Gängen ohne auch nur zu überlegen, wo er als nächstes abbiegen musste. Er hatte den Weg schon verinnerlicht, sooft war er ihn gegangen. Die magischen Lichter warfen lange Schatten durch die Wurzeln, machten das Laufen aber doch um einiges erschwinglicher als man dachte. Ohne Licht durch die Wurzeln zu gehen, war der blanke Horror, selbst für einen Elfen.
Man sah die Hände vor den Augen nicht mehr und bis man irgendwo ankam waren Stunde vergangen.
Samiel war an seinem Ziel angekommen, drückte die Holztür auf, die in die zusammengepresste Erde eingelassen war und wurde von warmen Kerzenschein begrüßt.
Am Tisch, eine Kristallkugel vor sich auf dem Tisch, saß Senna, die Elfe mit den roten Haaren, die immer in orientalische Stoffe und Kleider gehüllt war und ein feines Tuch auf dem Kopf trug, dessen Saum von kleinen, klimpernden Münzen geschmückt wurde.
„Samiel, schön dich zu sehen. Aber momentan gibt es keine neuen Prophezeiungen, von denen ich dir erzählen könnte. Deine Aura sagt mir, dass du auch gar nicht aus diesem Grund hier bist.“ Sie zwinkerte.
„Nein. Senna, versprichst du mir, dass nichts diesen Raum verlassen wird?“
„Natürlich. Das verspreche ich jedem, der mit seinem... Anliegen zu mir kommt.“
Sie erhob sich vom Stuhl und kam mit langsamen Schritten auf Samiel zu. „Irgendwelche besonderen Wünsche?“, fragte sie, während ihn der erste Kuss ihrer vollen Lippen traf. Unfähig etwas zu sagen schüttelte er den Kopf. Bis ich sie heirate, kann ich das noch tun, dachte er und schmiegte sich enger an Senna.
Ihre kräftigen Hände wanderten von seinen Haaren den Körper hinunter, streichelten seinen Rücken unter den Kleidern; wanderten zu seiner Brust; zogen ihm seine Oberteil über den Kopf. Sie drängte sich enger an ihn und Samiel stieß einen wohligen Seufzer aus. Das war das, was er gebraucht hatte.
Sie bedeckte seinen ganzen Körper mit Küssen, knabberte an seinem Ohrläppchen und zog ihn dann auf den Berg von Kissen und Stoffe, den sie als Bett nutzte.
Ohne zu wissen, wie es geschehen war, lagen wenige Sekunden später ihre Kleider im Raum verteilt und das Spiel ihrer Küsse ging weiter, bis Samiel sich schließlich mit einem wohligen Seufzer an sie schmiegte.
„Danke.“
Es war nicht etwa die sexuelle Lust, die Samiel zu Senna getrieben hatte, sondern ihre Fähigkeit. Sie war eine Gesegnete des Feuers und durch ihre Gabe der Prophezeiungen hatte sie auch die Fähigkeit erhalten, Ordnung in das Chaos der Gedanken zu bringen. Sie schlief nicht mit ihren „Kunden“. Sie verschaffte ihnen nur mit ihren Küssen Klarheit.



Wenige Minuten später begab sich Samiel auf den Weg zum Frühstück. Auf dem Weg nach unten empfand er die Leere in seinem Kopf als Wohltat. Die Gedanken an seine Hochzeit hatte er nur noch im Hinterkopf und es gab nur noch ein Problem, über das er beim Essen grübelte.
Er musste dafür sorgen, dass Fabienne keinen weiteren Fluchtversuch unternahm. Sie musste hierbleiben, das hatte sein Vater befohlen. Er wusste zwar nicht wieso sie bleiben musste, aber er gehorchte den Befehlen seines Vaters.
Aber wie konnte er sie hier behalten? Was würde sie dazu bringen, nicht mehr nach Hause zu wollen..?
Es schoss ihm wie ein Blitz durch den Kopf:
„Ich muss sie nur ein bisschen verführen...“ und den Grundstein hatte er sich schon selbst gelegt.