Sonntag, 30. Juni 2013

Dreamless City - Schatten deiner Selbst von Maren Heumann alias Ethan Frost

Dieser Anfang einer Dystopie kommt von Maren Heumann, die eigentlich im Pseudonym Ethan Frost schreibt.
Sie würde sich natürlich über eure Meinung freuen! Falls ihr die Geschichte mitverfolgen wollt, lasst euch überraschen, denn wann der nächste Abschnitt erscheint liegt ganz allein an der lieben Maren ;)




Prolog


Alle Menschen träumen, aber nicht alle gleich.
Die in der Nacht in den staubigen Winkeln ihres Gehirns träumen, wachen am Tag auf und wissen, dass es nur Schäume waren;
aber die Tagträumer sind gefährliche Menschen, denn sie können ihre Träume mit offenen Augen leben, um sie in die Tat umzusetzen. – Thomas Edward Lawrence

Kaltes Wasser umspülte seine nackten Knöchel. Ohne nach unten zu sehen, wusste er, dass die Ströme grau waren. Nacht für Nacht durchwanderte er dieses Labyrinth aus Tunneln, jedes Mal auf der Suche, jedoch ohne das Wissen wonach. Seine Brust wurde immer enger unter den Betonmassen über ihm, aus denen es kein Entkommen gab. Außer aufwachen. Doch je stärker er den Drang verspürte, sich endlich aufzuwecken und dieser Agonie ein Ende zu setzen, desto tiefer trugen ihn seine Füße in die Tiefen der Tunnel.
Dieser verdammte Albtraum. Nach dem ich jeden Morgen nass geschwitzt und mit hämmerndem Herzen erwachte. Nur der Knebel in meinem Mund hinderte mich daran, meine Eltern aus dem Bett zu schreien.
Bereits als Kind hatte ich diese Träume. Meine Mutter stellte mich einem Arzt nach dem anderen vor, doch keiner konnte mein Problem beheben. Seitdem hatte ich gelernt, stillschweigen über meine Träume zu bewahren. Denn träumen war gefährlich. Sehr gefährlich, wenn man in einer Welt lebte, in der Träume verboten waren.

Kapitel 1

Träumen schwächt unseren Geist.
Träumen verwirrt unsere Sinne.
Träumen beeinträchtigt unsere Wahrnehmung.
Der, der träumt, ist krank.
Derjenige, der träumt, wird sterben.
Sorgen wir dafür, dass unsere Welt frei von manipulierenden, gefährlichen Träumen ist. Helfen Sie mit, jeder Hinweis wird finanziell entlohnt.
Aufschrift eines Propagandaplakates zum Aufruf der Herausgabe von Träumern.

Mit geschickten Fingern löschte ich den Verlauf der Hirnstrommessung von letzter Nacht und ersetzte ihn durch eine Kopie eines Fremden. Die Regierung überwachte uns, während wir schliefen. Besonders ob wir träumten oder nicht. Doch von meinem Vater wusste ich, dass die Daten nur gesammelt wurden und zu beliebigen Zeitpunkten abrufbar waren, daher bestand für Leute wie mich keine große Gefahr entdeckt zu werden. Leuten wie mir. Sogar in dieser perfekten Gesellschaft gehörte ich zu den „anderen“. In der Gesellschaft, in der jeder gleich, perfekt, vollkommen war. Werkzeuge der Regierung, die wir alle waren. Doch nur denen, die die Fähigkeit besitzen, zu träumen, gehört die Welt. Ich hielt weiterhin an den Worten meines Großvaters fest, dessen Tagebuch die einzige Erinnerung ist, die ich an ihn habe.
Mein Großvater war ebenso ein Träumer wie ich, was ihn letztlich das Leben gekostet hatte und was mich letztlich das Leben kosten wird.
Vorsichtig öffnete ich die Schublade meiner alten Kommode und strich über den abgegriffenen, braunen Ledereinband des kleinen Büchleins, in dem Großvaters ganzes Leben geschrieben stand.
Einige Tage vor seinem Tod bat er mich, ihn zu besuchen. Auch wenn er die letzte Zeit seines Lebens immer verbitterter geworden war, liebte ich ihn und besuchte ihm am nächsten Tag. Die Worte, die wir im Geheimen wechselten, würde ich gewissenhaft mit ins Grab nehmen. Zu letzt gab er mir das kleine, dicke Buch und versteckte es in einem Sack alter Kleidung, die ich zum waschen mit nach Hause nehmen sollte. Die Kleidung, die er nie mehr getragen hatte.
Sowohl ich, als auch Großvater wussten: Er war keines natürlichen Todes gestorben. Die Regierung hatte ihn bei Seite schaffen lassen wie einen Haufen Müll.

1. Er musste den Jungen finden. Langsam rann ihm die Zeit wie Sand durch die Finger, es wurde immer dringlicher. In den unterirdischen Katakomben der Stadt eilte er durch die Tunnel und Kanäle. Um die Ratten, auf die er dabei trat, kümmerte er sich nicht. Seit Wochen suchte er nach dem richtigen Ausstieg. Bald musste er ihn gefunden haben. Heute? Morgen? Nächste Woche? Das dunkle Grau der Betonwände mischte sich mit dem Dreckwasser unter seinen Füßen zu farblosen Schlieren vor seinen Augen. Daran, dass die Regierung den Jungen entdecken konnte, wollte er nicht denken. Zwanghaft konzentrierte er seine Gedanken auf den Weg vor sich. Mehr als einmal war er in der Drecksbrühe gelandet. Kein Wunder, dass ihn das hier bis in seine Träume verfolgte. Seine Füße trugen ihn nach rechts, seinem Instinkt folgend, bis zu einer der zighundert Leitern, die damals für die Kanalarbeiter montiert wurden, die ihn hinauf in die Straßen führten.
Vorsichtig, so gut wie lautlos, stemmte er den Abflussdeckel nach oben. Abgasschwangere Luft begrüßte ihn, die er schnaubend wieder ausstieß, und geschmeidig hob er sich aus dem Kanalschacht. Unauffällig bewegte er sich über die Straße und verschmolz mit den Schatten des frühen Morgens. Das schwarze T-Shirt und die verwaschene, löchrige Jeans klebten an seinen Knochen und Muskeln. Abwartend und wie ein Bogen gespannt wartete er auf ihn. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren, sein Atem ging schneller, wohl noch von der Hetzerei unter den Straßen. Mit einer Menge Frühaufsteher betrat er die breite Hauptstraße. Er wusste sofort: Das ist der Junge den ich suche.
Mit fahrigen Bewegungen wischte er sich die schweißigen Hände an der durchnässten Jeans ab. Ungeduldig wartete er darauf, dass der Junge ihn passieren würde und reihte sich unauffällig, wie ein Schatten, in die morgendlichen Arbeiter ein, dicht hinter seinem Jungen.

Kapitel 2

Dieses Leben in der Welt ist - mit allem, was es enthält - ein Traum. Das Erwachen aus diesem Traum ist der Tod. –
Khalil Gibran

Ich betrat die Straße noch bevor die ersten Sonnenstrahlen durch die graue, triste Wolkendecke brachen. Ich nahm den Weg über die Flintstreet und gelangte über den Pedingtondrive zur Hauptstraße, die entlang zum Institut führte. Das riesige Gebäude war mit seinen 720 Metern das größte Hochhaus der Stadt, und beherbergte von Schulen, über Einkaufsmöglichkeiten, bis hin zu etablierten Firmen, einen Hauptbestandteil der Unternehmen unserer Stadt.
Fröstelnd zog ich den Reißverschluss der dünnen Sweatshirtjacke bis oben hin zu vergrub die kalten Hände in den Hosentaschen der obligatorischen schwarzen Jeans.
In Newstland gab es fast ausschließlich dunkle Kleidung. Bis auf die Gewänder für die Zeremonien und Veranstaltungen, die mehrmals jährlich stattfanden. Doch selbst zu diesen Anlässen hatte man nicht die Wahl, zwischen einem Outfit zu entscheiden, dieses wurde von der Regierung bereitgestellt und pünktlich geliefert. Für die Frauen in der Regel ein wenig früher als für die Männer.
Die Stadt war in mehrere Sektoren aufgeteilt, in der die verschiedensten sozialen Schichten der Stadt lebten. Im Off-Sektor waren die einheimischen Firmen und Büros untergebracht, zu dem auch das Institut zählte, so wie das ehemalige Rathaus, das keinem anderen Zweck mehr diente, als der eines Ausstellungsstückes aus vergangen Zeiten. Im Fam-Sektor I lebten die Familien, die zur Oberschicht gehörten, unter anderem meine Familie. Hauptsächlich Angehörige der Mitglieder des Rates oder wichtige Mitarbeiter der Regierung. Im Fam-Sektor II bis III lebten die Mittel- bzw. Arbeiterklasse, und die Unterschicht, zu der glücklicherweise nicht viele gehörten. In diesen Sektor gelangte kaum niemand, weder hinein noch hinaus. Wer wusste also schon, was uns die Regierung versuchte weiszumachen, wenn sie alles und jeden hinter Verschluss hielt. Neben dem Off- und den Fam-Sektoren existierten noch zwei weitere. Der Mig-Sektor, in dem Immigranten und Ausländer in Bruchbuden hausten, weil die Regierung ihnen keinen Platz und Möglichkeiten zum bauen gab. Der letzte und verufenste Sektor, der Queer-Sektor, beherbergte wie schon der Name sagt alle Homo- und Transsexuellen der Stadt.
Mit den Träumen hatte man auch versucht, die sexuelle Einstellung umzupolen, um eine rein heterosexuelle Gesellschaft aufzubauen.
Mich durchlief es eiskalt, wenn ich daran dachte, wie sie damals die „Experimente“ entsorgt und verschwinden lassen hatten. Vor ein paar Jahren wurden die Versuche abgebrochen, nachdem es immer mehr zu Ausschreitungen gekommen und man einen Krieg, natürlich der Bevölkerung willens, unbedingt verhindern wollte.



Müde mit dem Kopf schüttelnd verdrängte ich die miesen Gedanken und wartete an der Station auf meinen RCE, einen der vielen RailwayCityExpress’, die auf Magnetfeldern durch die Stadt rasten. Die altmodische LED Anzeige machte den Wartenden auf die Abfahrts- und Ankunftszeiten der RCE’s aufmerksam, während ich in meinem Rucksack nach meinem ComPad kramte, um den Tag wenigstens mit ein paar guten Songs zu beginnen. Frustriert gab ich die Suche auf, als der RCE vor uns anhielt und suchte mir einen Platz in den überfüllten Abteilen. Diesen Morgen reichte es allerdings nur für einen Stehplatz am Fenster, die übrigen Plätze waren bereits von schwarz gekleideten Menschen besetzt, die ebenfalls, so wie ich, auf den Weg in die Arbeit oder die Schule zum Institut waren.

Kommentare:

  1. Hallihallo.

    Ich hab mir gerade diesen Teil durch gelesen und muss sagen, es klingt wirklich interessant. Gerne würde ich mehr lesen :) Was ein bisschen unverständlich für mich persönlich war, sind die beiden Absätze im ersten Kapitel. Ansonsten gut geschrieben und man würde gerne wissen, wie es weiter geht.

    Liebe Grüße.
    Jani

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Jani (:
    Danke für deinen Kommentar! Es ist halt mal was anderes... ich hoffe du bleibst dabei, werde zumindest zeitnah weiterschreiben. Eine Frage hab ich noch: was meinst du mit den beiden Absätzen im ersten Kapitel? :D

    Liebe Grüße,

    Maren (:

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In dem ersten Absatz im ersten Kapitel, wird von dem Buch des Großvaters erzählt und so weiter. Den Absatz danach, ging es dann darum, dass "er" den Jungen finden muss. Das hat mich irgendwie verwirrt. Es hört sich so an, als wären es zwei verschiedene Personen, die nicht näher erklärt werden. Daher lässt sich das Geschehene für mich ehrlich gesagt etwas schwer auseinander halten. Verstehst du, was ich meine? :D

      Löschen
    2. Ja versteh ich :D in meinem Dokument sind das zwei verschiedene Schriftformatierungen, da sieht man das besser. Was es damit auf sich hat klärt sich aber dann noch im Laufe der Geschichte (:

      Löschen
  3. Ich liebe Dystopien und war deshalb umso gespannter, was mich hier erwartet. Insgesamt finde ich das, was du hier bisher veröffentlicht hast, sehr gut, auch wenn ich mich - aus welchem Grund auch immer, ein bisschen an "Die Auswahl" von Ally Condie erinnert fühle :)

    Zwei klitzekleine Anmerkungen hätte ich allerdings:
    1. "Ich nahm den Weg über die Flintstreet und gelangte über den Pedingtondrive zur Hauptstraße, die entlang zum Institut führte." --> das 'entlag' passt nicht. Wenn du das streichen würdest, klingt es besser und auch logischer.
    2. "Für die Frauen in der Regel ein wenig früher als für die Männer." Wäre super, wenn du vielleicht noch erklärst, warum das so ist ;)

    Ein paar kleine Rechtschreib- und Grammatikfehler sind mir noch aufgefallen, stören den Lesefluss allerdings überhaupt nicht.

    Folgender Satz hat mich übrigens besonders neugierig gemacht: "Er wusste sofort: Das ist der Junge den ich suche." Wer ist der mysteriöse 'er' bloß, was will er von dem Jungen und wieso weiß er genau, dass es der Junge ist, den er sucht?
    Außerdem bin ich gespannt, wie es mit der "Ich"-Person weitergeht. Ob ihr Schwindel noch auffliegt?

    AntwortenLöschen
  4. Hallöschen (:
    Vielen dank für deinen Tipp! Rechtschreibfehler bzw Tippfehler schleichen sich ja immer mal wieder schnell ein (:

    zu 2.: Das liegt einfach daran, dass Frauen meistens länger brauchen, um sich fertig zu machen xD

    Echt das hat dich an Cassia und Ky erinnert? Ich hab die Bücher auch gelesen :D

    Der mysteriöse Er spielt eine der Hauptrollen und rückt demnächst mit ins Rampenlicht :P

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Maren,

      zu 2: Ich habe mir sowas schon gedacht, aber dann war ich der Meinung: Vielleicht ist die Erklärung zu einfach und da steckt noch mehr dahinter, frag doch einfach mal nach ;-)

      Es ist schon ziemlich lange her, dass ich den ersten Teil von Cassia und Ky gelesen habe, aber geht es da nicht auch darum, dass das Leben der Leute überwacht wird, inklusive der Träume bzw. des Schlafs, weil sie keine Gefühle haben sollen?

      Ich freue mich schon darauf, mehr über ihn zu erfahren :)

      Löschen
  5. Ich glaube nicht, dass es was mit träumen war, aber ich kann mich auch nicht mehr genau dran erinnern :D

    Ja das wird noch spannend aber auch naja, abwarten *hust* :D

    AntwortenLöschen
  6. Kann gut sein, dass ich mich da irre, da es ja schon ziemlich lange her ist. Ist ja aber auch egal^^

    Genau, verrate bloß nicht zu viel, sonst geht die Spannung verloren und das wollen wir ja alle auf keinen Fall :)

    AntwortenLöschen

Wir und auch unsere Autoren würden uns sehr über eure Meinung freuen :)