Samstag, 20. Juli 2013

Diese eine Nacht von Rish



Diese eine Nacht.

Kurzgeschichte.

Young Adult 


Der Himmel verdunkelte sich, ein lautes Donnern brach die Stille und es fing plötzlich an zu regnen. Gut, dass er sich nie weit vom Motel entfernte, bei seinem Job könnte das, im besten Falle, tödlich enden. Er schnappte sich die braune Tüte mit seinem Gute-Nacht-Tee und stieg in seinen Wagen, beim anstarten schnurrte das gute Stück wie ein Kätzchen. Er liebte sein Auto, es ist für ihn eine immerwährende Erinnerung an seinen Vater, seine ganzen Kindheitserinnerungen hängen daran und wer gibt schon gerne etwas auf, das einen an gute Zeiten erinnert. Ohne Umweg fuhr er direkt zum Motel zurück, wie immer, war es eine billige Absteige. Er konnte von Glück reden, wenn er keine gebrauchten Dinge von den Vormietern in der Bude fand. In so einem Viertel interessierte niemanden, woher man kommt oder gar wie man heißt. Hier regiert das Geld, und wer für so eine Bruchbude zahlt, wird nirgend wo anders hingehen können. Bei ihm war die Lage anders, komplizierter. Er musste untertauchen und sich abseits bewegen, würde er das nicht tun, wäre er schon längst draufgegangen. Genau wie die meisten seiner Freunde und alle von seiner Familie. Manchmal hasste er diesen Job, aber irgendjemand musste es schließlich tun. 

Als er vor der Tür stand, atmete er tief ein, als müsste er sich davor wappnen, als hätte er Angst etwas konnte hinter dieser Zimmertür lauern. Er steckte den versifften Schlüssel in das Schloss, drehte einmal um den Uhrzeigersinn und legte seine Hand auf die Klinke. Ein paar Sekunden blieb er regungslos stehen, dann öffnete er die Tür und trat ein. Der Raum lag im Dunklen, hie und da erhellten die vorbeifahrenden Autos das kleine Zimmer, als würden Glühwürmchen kurz vorbei flitzen, aber sofort wieder abhauen, nachdem sie einen Blick riskiert hatten. Er durchquerte mit schnellen Schritten den schmalen Gang und ging sofort ins Bad, er musste noch eine Weile allein sein. Die Bezeichnung Badezimmer kam dem nicht mal im Ansatz nahe, der Duschvorhang sah modrig aus, er konnte sogar im vorbei gehen die Löcher darin zählen, in den Fugen hatte sich schon Schimmel gesammelt und von der Toilette wollte man lieber gar nicht erst anfangen zu sprechen. Gottseidank funktionierte das Waschbecken und es rann sogar klares Wasser aus dem Hahn, das ist nichts alltägliches, es gab schon Motels da hatte das Wasser eine Ähnlichkeit mit seiner Morgentoilette. Er beugte sich über das Becken und spritze sich eiskaltes Wasser ins Gesicht, vielleicht erhoffte er sich damit einen kühlen Kopf. Als er sich erhob, blickte er in den kleinen verdreckten Spiegel an der Wand, was er sah gefiel ihm nur selten, jedoch zeigte er das nie. Seine überhebliche und coole Art vor den anderen war nichts als Show. Im Spiegel blitzen ihm zwei dunkelgrüne Augen entgegen, manchmal nahmen sie die Farbe des irischen kleinen Sees an, von dem seine Mutter abstammte und ihm ständig davon erzählte. Daher hatte er auch seinen Namen, Irish. Welche Mutter nennt ihr Kind denn Irish? Aber vor allem, welche Mutter nennt ihren Jungen Irish? Wohl nur eine Verrückte. Eine liebevolle Verrückte. Er schlug mit der Faust gegen die Wand, er vermisste seine Familie an solchen Tagen einfach, er konnte nichts gegen seinen Schmerz unternehmen, da half nicht einmal sein Gute-Nacht-Tee, der eigentlich nur aus Whiskey bestand. Hoffentlich merkte niemand, dass er nun diese verdammt hässlichen Fliesen demoliert hat. Andererseits, wem sollte das auffallen? Wer kümmerte sich den hier schon um irgendetwas. Er fuhr sich mit der Hand durch seine dunkelbraunen Haare, er hielt kurz inne, fluchte leise, und lies dann seine Hand wieder sinken. Irgendwann musste er wohl aus dem Bad rausgehen, er konnte es nicht noch länger hinauszögern, also ging er.

Er kam gerade ins Schlafzimmer, da hörte er es. Diese gottverdammte Stimme. „Rish, bist du das?“ Bei seinem Namen zuckte er leicht zusammen, seine Stimme verfehlte nie den jeweiligen Effekt, alleine schon bei der Abkürzung seines Namens, durchfuhr sein ganzer Körper ein sonderbares Gefühl. Er dachte jedesmal an Zuhause. „Bitte, dreh nicht das Licht auf“, sagte die samtig raue Stimme. Doch wie immer tat Rish das Gegenteil von dem, was er eigentlich sollte. „Fuck, was tust du da? Du blöder Idiot..“, er stürmte auf ihn zu, riss ihn aus dem Bett und schlug ihm die Ampulle aus der Hand, „wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen, dass du mit diesem Scheiß aufhören sollst. Du brauchst kein Dämonenblut um Kräfte zu sammeln. Wann geht das endlich in deine Birne rein?!“ Resigniert setze Rish sich an den Rand des Bettes und wartete auf die Antwort von seinem besten Freund Mathew. Dieser setzte sich direkt neben Rish und sagte ohne jegliche Emotion in der Stimme, „Ich brauche es aber“. Rish sah hoch, sah ihm direkt in seine stahlblauen Augen, sah wie er sich durch seine blonden Haare fuhr, die ihm mittlerweile bis zu seinen muskulösen Schultern gingen und sagte „Warum, Thew? Wir schaffen das schon zu zweit. Wie immer. Bis jetzt haben wir den Kampf gegen unsere Feinde immer gewonnen, ich gebe ja zu, es war jedesmal knapp, aber wir haben gewonnen!“ Eine Weile herrschte eisiges Schweigen, keiner wollte noch mehr dazu sagen, sie hatten beide Angst vor der Wahrheit. Matthews Stimme erhob sich, jetzt allerdings voller Hingabe, „Es ist die einzige Chance, ich muss es einfach tun, Rish. Nach all den Jahren, verstehst du es immer noch nicht. Oder, du willst es einfach nicht verstehen.“, Matthew streckte die Finger aus, er wollte gerade die Schulter von Rish berühren, als er es sich doch wieder anders überlegte und die Hand sinken ließ. „Wenn mich das Blut, dieser verdammten Dämonen, stärker macht, bedeutet es auch gleichzeitig, dass wir den Kampf ohne Verluste gewinnen können. Ich würde es nicht ertragen…dich zu verlieren.“



Matthew seufzte, er musste jetzt weitersprechen, er musste es endlich laut sagen. „Rish, verdammte Scheiße Mann, ich mache das für dich! Wenn das der einzige Weg ist, dich heil aus der Sache rauszubringen, dann ist mir jedes Mittel recht.“ Er strich ihm sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und flüsterte, „Wann kapierst du es endlich?“ In diesem Moment brach die Abwehr von Rish zusammen und er sagte nur zwei Worte: Ich weiß. Rish umfasste das Handgelenk von Matthew und zog ihn nah zu sich ran, er schmiegte seinen Kopf an die Stirn von Thew und flüsterte nun ebenfalls, „Ich verstehe es schon lange, aber ich habe mich dagegen gewehrt. Aber jetzt kann ich einfach nicht mehr. Ich will nicht mehr.“ Und dann trafen sich ihre Lippen zum ersten Mal. Rish fühlte sich wie auf einer Achterbahn, seine Gefühle drehten völlig durch, sein Atem ging schneller und seine Lust wuchs von Sekunde zu Sekunde immer mehr. Matthew schlang durch die Arme um den Nacken von Rish und fuhr ihm mit einer Hand durch seine Haare, während Rish nun seine Zunge in den Mund von Thew wandern ließ. Rish stöhnte leise auf, er fühlte tausend feine Nadelstiche durch seinen Körper schießen, oder waren es hunderte Raketen, die in den Himmel schossen und zu einem bunten Feuerwerk wurden. Beide zogen sich gleichzeitig die T-Shirts über den Kopf, ließen die Hände auf den jeweils anderen muskulösen Körper gleiten und sanken zusammen ins Bett. Für diese eine Nacht waren sie zusammen, diese eine Nacht gab ihnen das Gefühl frei zu sein, von den Zwängen und von den Kämpfen. Aber sie wussten auch, dass dieses Gefühl nicht lange anhalten würde…




Dies war eine Kurzgeschichte von einer Leserin des Schreibportals, die lieber anonym bleiben möchte. Deshalb "von Rish". 
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1 Kommentar:

  1. Wow, die Story finde ich gar nicht so schlecht. Nur wirft sie jetzt ganz viele Fragen in mir auf. Gegen was müssen die beiden kämpfen,können sie es überhaupt schaffen und warum gerade Dämonenblut???
    LG Chia
    http://chiasbuecherecke.blogspot.co.at/

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