Sonntag, 7. Juli 2013

Kampf der Elfen von Daisy - Teil 2

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2. Kapitel


„Sei leise, oder willst du, dass meine Mutter uns hört?“, fragte ich und ließ mich von Bryan aus dem Fenster des Erdgeschosses heben. Seine Finger waren trotz nächtlicher Temperaturen warm und kitzelt an meinen Hüften. 
Einer plötzlichen Intuition folgend, schwang ich meine Beine um sein Becken und ließ mich von ihm einige Meter tragen, bis er mich auf dem Kiesweg vor dem Wald absetzte. „Das wird mir langsam zu schwer, tut mir leid.“, sagte er und strich mir über die nackten Oberarme. 
„Willst du mir etwa sagen, dass ich zu schwer bin?“, gespielt beleidigt, zog ich einen Schmollmund und wandte mich von ihm ab.
„Du bist perfekt, wie du bist. Damit du das weißt.“, flüsterte er und beugte sich zu mir herunter. Mein ganzer Körper lechzte nach seinen Küssen und bereitwillig stellte ich mich auf die Zehenspitzen und wartete auf die Berührung seiner Lippen. Diese kam auch, allerdings anders als ich es mir erhofft hatte. Alles was ich bekam, war ein sanfter und verdammt süßer Kuss auf die Stirn und einen Hauch in mein Ohr, den ich erst nach einigen Sekunden verstand. „Nicht hier, Fabienne.“
„Wieso nicht? Meine Mutter schläft und wir sind einige Meter vom Haus entfernt.“, jammerte ich und stellte mich erneut auf die Zehenspitzen. 
„Ich will aber nicht auf einer Straße mit dir herumknutschen oder...“, murmelte er und sah mir tief in die Augen. Obwohl es sehr dunkel war, nur das spärliche Licht der Laternen erleuchtete den Weg, konnte ich die Farbe seiner Augen sehen, oder wohl eher erahnen. Schokoladenbraun. 
In diesem Moment verstand ich die wahre Bedeutung seiner Worte; den unvollendeten Satz. „Oder...“ hallte es in meinem Kopf wieder und mir wurde unwillkürlich heiß; meine Augen weiteten sich. 
Dann berührten seine Lippen die meinen und wir verschmolzen miteinander. Voller Liebe presste ich mich gegen ihn und seufzte, beinahe enttäuscht, als er sich schon nach wenigen Sekunden von mir löste. 
„Ich liebe dich.“, raunte er, etwas außer Atem. 
Ich liebe dich.“, murmelte ich und drückte meine Lippen erneut auf seine. 
„Weißt du, dass kann noch warten. Es ist gut so, wie es ist und wenn du noch nicht mit mir schlafen möchtest, ist das okay.“, sagte er. Sein Gesichtsausdruck war ernst und ich spürte, dass er die Wahrheit sprach. Er würde warten.
„Ich möchte aber.“ Und als ich dies sagte, wusste ich, dass auch ich die Wahrheit sagte. Ich tat ihm keinen Gefallen, weil ich es wirklich wollte. Ich ergriff seine Hand und zog ihn wieder in Richtung Haus. 





Ein Klopfen riss mich aus dem Schlaf und somit auch aus einer der schönsten Erinnerungen, die ich hatte. Meine Lider öffneten sich flatternd und das erste was ich sehen konnte, war die glatte Holzdecke, die sich im Raum ausbreitete. Dann fiel mir die gestrige Nacht wieder ein und mein erster Gedanke galt Samiel.
Als ich die Tür öffnete, immer noch das zerknitterte Kleid am Körper, stand genau dieser vor mir.
Er räusperte sich und fuhr sich durch die Haare. Dieser Anblick brachte mich ins Grübeln und ich konnte mir nicht mehr vorstellen, dass es Elfen gab. Samiel sah so normal aus, wie jeder andere gutaussehende Typ auch, bis auf seine schulterlangen Haaren und seine Augen vielleicht.
„Würdest du gerne etwas essen?“, fragte er und schob die Hände in die Taschen seiner locker sitzenden Leinenhose. „Du bist sicherlich hungrig.“ 
Und das war ich. Mein Magen gab ein kleines, forderndes Knurren von sich und ich griff mir an den Bauch. „Ja, das wäre hervorragend...“,erwiderte ich und lächelte ihn dankbar an. 
„Vielleicht möchtest du dich erst ein wenig frisch machen und dir etwas anderes anziehen?“ Samiel musterte mich von oben bis unten und blieb dann an meinem Gesicht hängen, an dem sicherlich jede Menge Dreck hing. „Kleider findest du in der Kommode und waschen kannst du dich dort hinten. Ich warte dann vor der Tür.“ Er räusperte sich und verließ dann den Raum. Mein „Danke.“ kam etwas zu spät. 
Als ich mich umdrehte musterte ich den Raum zum ersten Mal aufmerksam: Die Wände waren wie alles andere auch mit dem Baum verwachsen, wiesen jedoch schöne Maserungen und Kerben auf, die an Holzvertäfelungen erinnerten. Das Bett, das fast den gesamten Platz einnahm, war relativ breit, also beinahe eine Doppelbett und rechts neben diesem stand eine Kommode, die mich geradezu dazu einlud, in ihren Schubladen zu wühlen und interessante Kleidung auszuwählen. 
Etwas gerädert schleppte ich mich in das kleine Bad, das ebenso hölzern war und suchte nach einem Wasserhahn, der in die Wanne mündete. Aber ich konnte keinen finden. Ratlos sah ich mich im Raum um und entdeckte kurz darauf eine Schale, gefüllt mit klarem und kühlen Wasser, die auf einem Schränkchen stand und vom dahinter hängenden Spiegel reflektiert wurde. 
Etwas notdürftig fuhr ich mir mit den nassen Fingern über mein Gesicht und nach und nach wurde die Schale immer leerer. Mein Gesicht jedoch blieb voller Flecken, die noch verschmierter wirkten als zuvor. 
Ich hatte gerade beschlossen, so den Raum zu verlassen – immerhin war die Schale vollends geleert -, da wurde ich Zeuge eines Wasserstrudels, der sich am Boden dieser bildete und das Wasser nach oben trieb, bis die Schale wieder bis zum Rand gefüllt war. 
In diesem Moment war ich dabei, einen weiteren Schritt in Richtung des Glaubens an Elfen zu wagen, aber noch konnte ich meinen voreiligen Glauben vom Abend zuvor nicht nachvollziehen. 
Ich hatte also den Sinn der Schale begriffen und füllte die Wanne immer wieder mit frischen Wasser, bis sie soweit gefüllt war, dass ich ohne Probleme darin liegen konnte. Ich zog mir das Kleid über den Kopf, warf die benutzte Unterwäsche in die Ecke und stieg vorsichtig, die Zehenspitzen voran, in die Wanne. 
Wider meines Erwartens war das Wasser so warm, dass es meine durch die Nacktheit aufgekommene Gänsehaut verscheuchte und mich in einen entspannten Zustand trieb. Dennoch blieb ich nicht lange im Wasser liegen und schrubbte mir nur den Dreck von Körper, Gesicht und aus den Haaren, bis ich der Meinung war, dass ich mich sehen lassen konnte. 
Leicht zitternd aufgrund des plötzlichen Temperaturumschwungs stieg ich aus dem Wasser und wickelte mich in die Stoffe, welche gefaltet auf dem Schränkchen lagen. Eilig rubbelte ich meine Haut trocken und musste feststellen, dass die Stoffe weitaus saugfähiger und vor allem praktischer waren, als die herkömmlichen Handtücher, die wir Zuhause verwendeten. Überhaupt hatte ich solche Stoffe noch nie gesehen. Sie waren sehr weich, fast seidig, und flossen in den Händen hin und her wie flüssiges Gold. Dennoch nahmen sie das ganze Wasser auf, ohne im Nachhinein feucht zu sein oder gar zu tropfen. Neugierig musterte ich den Stoff ein letztes Mal und warf ihn dann beiseite. 
Zur Sicherheit streckte ich meinen Kopf in die Ecke, um nachzusehen, ob Samiel vielleicht im Zimmer war, bevor ich dann das Schlafzimmer betrat. In der Kommode fanden sich, wie Samiel versprochen hatte, allerhand Kleider und ich zog ein paar von ihnen hervor. Eines war meerblau und mit saphirfarbenen Steinchen besetzt, bei denen ich mir nicht sicher war, ob es echte waren. Es sah furchtbar edel aus und erinnerte mich an vergangene Zeiten, in denen die Frauen Bälle und Soireen besucht hatten. An der Taille ging es merklich auseinander, wurde jedoch nicht, wie erwartet, von Ringen gehalten, sondern nahm von ganz allein diese Form an. Das Korsett, das unter den Stoffen angebracht war, lies sich extern anziehen und war genauso weich wie überhaupt alles. 
Da merkte ich, dass ich noch immer nackt im Raum stand und errötete leicht, obwohl mich niemand sehen konnte. 
Ich zog noch ein paar weitere Kleider hervor und entschied mich schließlich für ein leichtes, das aus verschiedenen Stoffen gemacht sein zu schien. Es war in verschiedenen Rottönen abgestuft und ein Stoff war auf den anderen genäht, sodass es sehr luftig wirkte, ohne die weiblichen Rundungen zu verbergen.
Einige Minuten suchte ich im Schrank nach Unterwäsche, bis ich endlich auf feine Höschen stieß – jedoch auf keinen einzigen BH. Verzweifelt wühlte ich mich noch einmal durch die Schubladen, doch ich konnte nichts finden. Also lief ich zurück in das Bad, fand aber nichts weiter als Makellosigkeit vor. Meine hinterlassene Wäsche war verschwunden und der nasse Boden war trocken und glänzend.
„Was soll ich denn jetzt tun?“, fluchte ich vor mich hin und lief wieder zurück in das Schlafzimmer. Ohne eine Lösung gefunden zu haben, stieg ich in das Kleid, das ich mir ausgesucht hatte und betrachtete mich kritisch im Spiegel. An sich sah ich nicht schlecht aus: Mein kastanienbraunes Haar fiel mir wieder in sanften Wellen über den Rücken und die Schultern und das Kleid betonte meine reifer gewordene Figur. Dennoch konnte man einen guten Blick auf meine Brust erhaschen, welche sich unter dem Stoff abzeichnete und nicht zu übersehen war. Außerdem hatte ich keine Schuhe gefunden und man konnte meine zerkratzten Beine sehen. 
Voller Unbehagen öffnete ich doch noch die Tür, die auf den Gang hinausführte und ging auf Samiel zu, der an der Wand saß, die Beine leicht angewinkelt und miteinander verschränkt, und las. Was er genau las, konnte ich nicht erkennen, aber der Titel hätte mir sowieso nichts gesagt. 
„Da bist ja.“, murmelte er und klappte das Buch mit einer endgültigen Geste zu. In einer fließenden Bewegung stand er auf und kam mit langen Schritten auf mich zu. 
Elf oder nicht Elf, das ist hier die Frage, zitierte mein Inneres und ich musste mich stark zurückhalten, um nicht dämlich los zu grinsen. 
Unwillkürlich musste ich an Mom denken, die immer alle möglichen Zitate und Weisheiten umgedichtet und falsch interpretiert hatte. „Liebchen, steh auf. Du weißt doch, Morgenstund' hat Gold im Mund und spätestens heute Abend bist du Milliardärin.“, hörte ich die Stimme meiner Mutter in meinem Kopf und folgte Samiel, der mich mit einer raschen Handbewegung dazu aufgefordert hatte, ihm zu folgen. 
„Wohin gehen wir?“, fragte ich und schloss mit wenigen Schritten zu ihm auf. 
„Ich zeige dir den Speisesaal, in dem wir unsere Mahlzeiten einnehmen. Dann kannst du auch eine Kleinigkeit essen und anschließend mit mir zum Training gehen.“
„Zum Training?“

„Du wirst dich integrieren müssen.“ 
„Du denkst, ich werde hier bleiben?“ Ich runzelte die Stirn und sah ihn von der Seite an. Sein Blick war finster, als er mich ebenso ansah und ich musste ihm ausweichen. 
„Befe... Wunsch des Königs.“, brummte er und drehte sich wieder von mir weg. „Meinetwegen könntest du gehen, aber...“ Er schüttelte den Kopf. 
Bald darauf, nachdem wir unzählige Treppen und Gänge entlang gelaufen, sowohl offene als auch geschlossene, und auch die Eingangshalle passiert hatten, kamen wir in dem Gang an, in dem auch die kleine Halle lag, in der ich in der gestrigen Nacht aufgewacht war. 
Wir hielten auf die Eisentür direkt neben dieser zu und Samiel stieß sie mit einem Luftstoß, der aus seiner Hand zu kommen schien, auf. Magie, dachte ich und musste an die mit Wasser gefüllte Schale denken, die sich immer wieder aufgefüllt hatte.
In der Halle, die deutlich größer war, als die andere, saßen ein Haufen Elfen an Tischen, mit verschnörkelten Beinen und auf kissenbesetzten Stühlen mit hohen Lehnen. Sie unterhielten sich laut und hin und wieder hallte wohltönendes Lachen zu mir hinüber, das mich beinahe dazu brachte mit zu lachen. Aber nur beinahe. 
Samiel führte mich an den Kopf eines Tisches, schob mich auf einen Stuhl und winkte einen Elf in leicht abgenutzten und weniger edel wirkenden Leinenstoffen zu uns hinüber. Er wechselte wenige, schnelle Worte mit diesem und schickte ihn dann wieder weg. Als er meinen fragenden Blick bemerkte, erklärte er mir, das Essen käme sofort, er habe etwas bestellt. 
Neugierig ließ ich meinen Blick schweifen und bemerkte, dass die Halle viel zu klein war, für all die Elfen, die ich bei meiner Ankunft gesehen hatte und überhaupt waren nur sehr wenige anwesend. „Warum sind hier so wenige?“, fragte ich und sah Samiel dabei direkt an, der sich mittlerweile mir gegenüber gesetzt hatte. 
„Hier isst nur der Adel.“, antwortete er knapp und sah auf seine Hände hinab, mit denen er abgelenkt Däumchen drehte. 
„Warum bin ich dann hier?“ 
„Es ist besser so. Der Adel akzeptiert dich zwar auch nicht, aber... er ist vielleicht nicht so grob, wie die anderen... die Unterschicht.“ Samiel suchte eindeutig nach den richtigen Worten. Aber was war so schwer daran, mir die Situation zu erklären? Wollte er mich nicht verängstigen? Oder nahm er die Elfen der „Unterschicht“ in Schutz? 
Nach einigen Minuten unangenehmen Schweigens kehrte der Elf mit dem Samiel gesprochen hatte zurück und stellte zwei Platten schwungvoll auf unserem Tisch ab und hob die silbernen Deckel ab, die ich zwar kannte, aber deren Namen ich nicht wusste. 
Auf der Platte lagen Obstsorten verschiedener Art. Vor allem Trauben dominierten den Teller und wurden von einer rötlichen Soße bedeckt, die dem Essen einen seltsamen, aber einladenden, Schimmer verlieh. Vorsichtig griff ich nach der feinen Gabel, die der Elf gebracht hatte, sah Samiel kurz an und begann dann selbst zu essen, nachdem ich gesehen hatte, dass auch er am essen war. Ich jubelte innerlich, dass es Gabeln gab. Aber eigentlich gab es hier viele Dinge, die der der Menschen ähnlich waren, nur anders.
Wieder bemerkte ich, dass ich immer mehr akzeptierte, dass es Elfen gab. Warum ich das tat, wusste ich auch nicht genau. Aber so magisch konnte einfach kein menschlicher Ort sein. 

Die Trauben und das restliche Obst schmeckten köstlich und trieben all die merkwürdigen Gedanken und Ereignisse aus meinem Kopf. Ganz entspannt genoss ich die Mahlzeit und der Teller war genau dann geleert, als ich satt war. Ich füllte mich nicht zu voll, aber gesättigt und meine Gedanken trieben wieder in Richtung Magie. War es hier ein Fall der Magie? Zufall? Oder Wissen, wie viel die richtige Menge für mich war? 
„Bist du fertig?“, fragte Samiel und stand, ohne auf meine Reaktion zu warten, auf und eilte zur Tür. Obwohl ich mir sicher war, dass die Elfen uns schon beim Betreten des Raumes bemerkt hatten, ignorierten sie uns auch als wir die Halle verließen und tiefer in den wahrscheinlich unterirdischen Gang vordrang. Als dieser endete standen wir vor einer weiteren Eisentür, hinter der ich aufeinander prellendes Metall und surrende Geräusche vernahm. 
Als wir den Raum – eine weitere Halle – betraten wurde mein Blick als erstes von den blitzenden Schwertern angezogen, die in atemberaubender Geschwindigkeit hin und her sausten und von Elfen geführt wurden, männlichen als auch weiblichen. Ich beobachtete das Treiben einen Moment und ich konnte mir nicht vorstellen, dass irgendjemand den anderen besiegen würde. 
Im hinteren Teil der Halle trainierten andere Elfen das Bogenschießen und Messerwerfen und auch sie übten ihre Tätigkeit voller Eleganz aus und zogen mich vollends in ihren Bann. 
Neben mir nahm ich eine Bewegung wahr und drehte mich um. Eine junge Elfe, deren lila Haare um ihren Kopf wehten, kam auf uns zu. Ihr Gesicht war mit Tattoos in Form von kreisähnlichen und verschlungenen Ornamenten geschmückt und sie verschwanden am Ansatz ihrer Kleidung, sodass ich ahnte, dass sie unter diesen Kleidern weiter verliefen. Sie trug einen engen Ledereinteiler, der an den Ärmeln in lila und luftigen Stoff übergingen und der knapp an den Oberschenkeln änderte. Der Einteiler betonte jede ihrer Rundungen und ließ sie wie eine Kämpferin wirken. 
„Sie trägt nicht das richtige. Auch ein Mensch sollte die richtige Kleidung beim Kämpfen tragen.“, sagte sie und warf Samiel einen tadelnden Blick zu,
Dann wandte sie sich wieder mir zu und lief um mich herum, während ich ihren strengen Blick auf meinem Körper ruhen spüren konnte. 
„Nun, das muss reichen.“, sagte sie und blieb einige Meter von mir entfernt stehen.
„Fang!“ Sie warf mir ein Schwert zu, dass ich einer plötzlichen Eingebung folgend auffing und das schwer in meiner Hand wog. 
„Und jetzt greif mich an.“




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