Sonntag, 28. Juli 2013

Kampf der Elfen von Daisy - Teil 3

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3. Kapitel


Und jetzt greif mich an. Der herrische Tonfall der Elfe gefiel mir nicht, hatte mir auch früher nie zugesagt. Aber ich spürte meine Fingerspitzen trotzdem kribbeln, in der Erwartung bald den Degen zu schwingen. 
Aber das Schwert in meiner Hand wog so viel schwerer, noch dazu ohne jegliche Schutzausrüstung und mit scharfer Klinge. Ein leichtes Frösteln überkam mich und ich blieb unschlüssig stehen, das Schwert mit der Spitze nach unten. Die Elfe verschränkte die Arme und hob eine Augenbraue. „Ich bezweifle das das Wissen auf eurer Seite ist, Prinz. Sie macht auf mich nicht den Eindruck, als ob sie nur ein minimales Talent an den Tag legen könnte, es sei denn Eleganz.“

„Wir werden sehen.“, brummte er und sah mich erwartungsvoll an. „Ich will sie aber nicht angreifen.“, stotterte ich wenig geistreich und wechselte das Schwert in die andere Hand. 
Ich konnte die Elfe etwas murmeln hören, was Ähnlichkeiten mit „Hab ich's doch gleich gesagt.“ hatte. 
„Wenn ich schon jemanden angreife, will ich auch den Namen der Person wissen, die mein Gegner sein wird.“
Sie zog erneut eine Augenbraue in die Höhe. „Mein Name ist Ginevera und du bist … Fabienne, wenn ich mich recht entsinne?“
„Das tust du.“, erwiderte ich und brachte mich in die richtige Position, das Schwert erhoben. Kurz durchzuckte mich die Unsicherheit: Wer war Kampfrichter? Hatten wir überhaupt ein Publikum, das es zu begrüßen galt? Doch dann richtete ich mich gerade auf und wunderte mich über mich selbst. Ich war automatisch in den Trainingsrythmus von damals verfallen, obwohl dieser hier weniger angebracht war. 
Trotzdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, meine Gegnerin angemessen zu begrüßen, obwohl diese den Gruß nicht erwiderte. Als ich einen ersten Ausfallschritt in Richtung Ginevera machte, hatte ich das Gewicht des Schwertes nicht bedacht und taumelte einen Schritt nach vorne, sodass ich beinahe ihre Klinge an meinem Hals spürte. 
Ich konnte schon ihr verächtliches Lachen hören, aber noch war es nicht vorbei: Ich hatte mich wieder gefangen, meine Bewegungen dem Gewicht des Schwertes angepasst und versank wieder in die Geschmeidigkeit der eingeübten Schritte. Wie in einem Tanz ließ ich das Schwert die Luft zerschneiden, prallte gegen das ihre und obwohl es wirklich etwas ganz anderes war, einen Schwertkampf auszutragen, als einen Degen zu führen, fiel es mir unglaublich leicht, ihren Angriffen auszuweichen oder sie zumindest zu parieren.
Einmal konnte ich ihr Schwert meine Rippen berühren fühlen, aber im letzten Moment riss ich mich nach unten und spürte den Luftzug in meinen Haaren, der vom heran nahenden Schwert ausgelöst wurde. 
Schließlich rang ich mich dazu durch, mich aus der Defensive zu lösen und sie anzugreifen. Meine Angriffe kamen ruckartig, weniger geschmeidig als beim Ausweichen und dies lag vor allem am Gewicht des Schwertes, das mich zunehmend schwächte. Meine Bewegungen waren weniger Kraftvoll als zu Beginn und meine Schnelligkeit ließ zu wünschen übrig: Mein Wochen langes Ausharren zeigte seine Wirkung. 
Zum Schluss kam es dazu, dass Ginevera siegte, die Klinge leicht, aber dennoch fest genug an meinen Hals gepresst, dass Blut lief. Ich blinzelte mir den Schweißtropfen aus dem Auge und trat einen Schritt zurück. „Du bist eine würdige Gegnerin.“, sagte sie, in ihren Augen glänzten sowohl Überraschung, als auch Überheblichkeit. Aber ich bin besser, konnte ich sie beinahe sagen hören. 
„Ist alles in Ordnung bei dir?“, fragte Samiel in diesem Moment, dessen Anwesenheit ich beinahe gänzlich vergessen hatte. Er trat einen Schritt auf mich zu und wischte das heiße Blut, dass sich mit meinem Schweiß gemischt hatte, weg. Ein merkwürdiger Ausdruck lag in seinen Augen, als er das Blut betrachtete und für einen kurzen Moment sah ich die Farben in diesen aufflackern. Dann war es vorbei.
Er schloss die Finger zu einer Faust, anscheinend ohne über das Blut darin nachzudenken und lächelte mich an. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und plötzlich überkam mich ein merkwürdiges Gefühl. Ich konnte nicht mehr sagen, ob mein erhöhter Herzschlag auf meine Gefühle ihm gegenüber zurückzuführen waren, oder aber auf die Angst, die sich durch meine Adern schlängelte. 
„Warum lasst ihr mich nicht einfach gehen?“, fragte ich Samiel während des Mittagessens, das er als „Tagesmahl“ bezeichnet hatte. Lustlos stocherte ich in meinen Beeren und Früchten herum und wartete auf seine Antwort. 
„Der König wünscht es so.“, war diese und im Nachhinein bereute ich es, überhaupt gefragt zu haben. Samiel war nach dem Training etwas offener gewesen und hatte mich herumgeführt, sodass ich schließlich die ein oder andere Frage beantwortet bekommen hatte. Doch sobald ich auf mich zu sprechen kam, blockte er ab. 
Eine der Fragen, die mir schon während des Training durch den Kopf gespukt war, die ich allerdings unter der Last der Unwissenheit vergessen hatte, drängte sich nun wieder an die Oberfläche und um unser Gespräch etwas aufzulockern, stellte ich sie: „Warum hat Ginevera so merkwürdige Tätowierungen am Körper?“
Ungeschickte fuchtelte ich mit der Gabel herum, sodass er kurz zurückweichen musste und die Stirn runzelte. „Tätowierungen?“
„Sag mir nicht, du hast sie nicht gesehen? Die Ornamente, die fast denselben Farbton wie ihre Haare hatten.“, half ich ihm auf die Sprünge und schob mir eine Beere in den Mund, die in einer Explosion von Sinnen auf meiner Zunge zerplatzte. Beinahe hätte ich mich verschluckt. Was für ein Geschmack!
„Du meinst die Male? Es ist doch klar, was sie zu bedeuten haben. Sie ist eine Gesegnete, Fabienne.“
„Eine Gesegnete, also... mhm, du bist furchtbar hilfreich.“, meine Stimme verriet meine Angenervtheit ihm gegenüber und ich konnte nicht mehr an mir halten: „Deine Art geht mir verdammt noch mal auf die Nerven! Erst lässt du mich nicht gehen und wenn ich mich hier eingewöhnen möchte, dann gibst du mir nur halbe Antworten!“ Ich war lauter gewesen als beabsichtigt und einige Köpfe wandten sich zu mir um. „Und was guckt ihr schon wieder so blöd? Man darf sich ja wohl mal aufregen dürfen.“ Alte Stinkstiefel, fügte ich noch in Gedanken hin zu. 
„Beruhige dich Fabienne! Am liebsten würde ich dir gleich unsere ganze Geschichte, unsere Geheimnisse erzählen, aber ich darf nicht!“
„Warum darfst du denn nicht? Was habe ich euch denn getan?“
Daraufhin folgte betretenes Schweigen und Samiel stopfte das Essen in sich hinein. 
„Samiel.“
„Schon gut!“ Kapitulierend warf er die Hände nach oben. „Gesegnete sind diejenigen Elfen unter uns, die etwas besonderes in sich tragen und während der jährlichen Winter- und Sommersonnenwende von unseren Göttern erwählt werden, gesegnet werden. Sie erhalten magische Fähigkeiten, zu denen ein durchschnittlicher Elf nicht fähig wäre.“
Zufrieden kaute ich auf einem Salatblatt herum. 
„Und du bist auch so ein Gesegneter?“, warf ich ein, als er gerade wieder zu essen begonnen hatte und brachte ihn dazu, sich zu verschlucken.
„Was?“, hustete er und klopfte sich ungeschickt auf die Brust. „Wie kommst du denn darauf?“
„Na ja, du hast doch diese Augen mit denen du in meinem Kopf warst; die die manchmal so komisch schimmern. Zum Beispiel als du mir das Blut weg gewischt hast, oder als ich bewusstlos auf dem Tisch lag und du mich zum ersten Mal bei Namen angesprochen hast – den ich dir nicht genannt habe.“ Betont lässig schob ich mir eine weitere Beere in den Mund und suchte verzweifelt nach einem noch so kleinen Stückchen Fleisch in meinem Essen. 
Als ich wieder aufblickte, starrte Samiel mich entgeistert an. 
„Was?“, fragte ich spitz und legte die Gabel mit gestreckten Fingern neben den Teller. „Bin ich so schön, dass es dir jetzt die Sprache verschlagen hat? Oder liegt es doch an meiner unwiderstehlichen Stimme?“ Ich hob die Augenbrauen und tupfte mir mit der Servierte über den Mund. Sie war aus feinsten Stoff, ähnlich dem der Handtücher und schien mir völlig unangebracht, um sich damit den Mund abzuwischen.
„Elfen können … meine Gabe normalerweise nicht sehen...“, murmelte er gerade so verständlich und rieb sich ebenfalls die Hände an einer Servierte ab. 
„Ich bin keine Elfe.“, antwortete ich. Samiel musterte mich mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen, räusperte sich und erwiderte dann: „Natürlich. Aber Menschen sollten dies erst recht nicht sehen.“
Pech für dich, hätte ich gerne geantwortet, doch anstelle dessen fragte ich ihn, was das für eine Gabe sei, wenn nicht von ihren Göttern, an denen ich zu zweifeln begann. Wenn ein Elf wie Samiel keine Segnung von ihnen bekam, sondern eine unausstehliche Person wie Genevera, was waren das dann für Götter? Aber um ehrlich zu sein kannte ich Samiel so gut nun auch wieder nicht, um beurteilen zu können, was er verdiente. 

„Die Königsfamilie erhält keine Geschenke von den Göttern, denn das Volk der Elfen zu regieren ist Geschenk genug.“, erklärte er. Für mich klang es eher wie ein auswendig gelernter Psalm. „Eine weiteres Geschenk der Götter ist es, denjenigen der Söhne des Königs mit einem Zeichen zu versehen, der das Erbe dessen Erbe anzutreten. Meine Augen sind das Zeichen; ich wurde erwählt, das Volk in Zukunft zu führen; es zu schützen und es zu verteidigen; selbst wenn es meinen Tod bedeutet.“ Sein Blick wanderte wie von einem Magneten angezogen nach oben an die Decke und fast beiläufig, in Gedanken versunken, fügte er hinzu: „Ich sollte dankbar sein, denn über meinesgleichen zu regieren ist eine Ehre. Das sage ich mir jeden Tag.“
Als sein Blick sich wieder senkte, sah ich die Verletzlichkeit in seinen Augen. Er hatte sich eine Blöße gegeben, vor einer Person die er nicht annähernd kannte – oder vielleicht doch. Wer wusste schon, zu was er mit seinen Augen fähig war. Wer wusste schon, was er in meinem Kopf gesehen hatte. Bryan, schoss es mir durch den Kopf und ein Schauder rieselte über meinen Rücken. 
Um mich selbst abzulenken fragte ich: „Bist du denn nicht dankbar?“
Ein bitteres Lachen rollte über seine Lippen und verstummte sogleich wieder. „Natürlich bin ich das, Fabienne! Es ist furchtbar schön, Verpflichtungen gegenüber seinem Volk zu haben, das sein ganzes Vertrauen in dich setzt. Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn die Götter einem die Wahl der Frau abnehmen und es nicht zulassen, jemanden zu lieben!“ Wieder lachte er und ich konnte die Tränen in seinen Augen schimmern sehen. „Verdammt, Fabienne, ich wünsche mir so sehr, dankbar zu sein! Meine Brüder wären dankbar gewesen, das weiß ich ganz sicher. Selbst mein Vater ist dankbar und er ist ein uneinsichtiger Sturkopf. Aber ich kann einfach nicht dankbar sein, obwohl ich es schon so oft versucht habe. Es geht einfach nicht und es ist falsch. Es ist falsch darüber zu reden. Ja, es ist sogar falsch nur einen Gedanken daran zu verschwenden! Sie hören alles und eines Tages werden sie mir meine Undankbarkeit vergelten, Fabienne und es graut mir vor diesem Tag.“
Obwohl ich nie wirklich über das Prinz-sein nachgedacht hatte, hatte ich es mir immer als etwas schönes vorgestellt. Für mich hatte es nach einer Menge Spaß geklungen, aber jetzt, nachdem ich Samiels Worte gehört hatte, zweifelte ich an meinen eigenen Vorstellungen. War es wirklich so schrecklich oder lag es nur an ihm selbst? Liebte er vielleicht eine Elfe, die er aber niemals würde zur Frau nehmen können? Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, als ich an eine unbekannte Schönheit dachte. 
Just in diesem Moment schob sich die eben genannte Schönheit in mein Blickfeld auf die gegenüberliegende Seite des Tisches. 
„Samiel.“, begrüßte sie diesen, dessen bitterer Gesichtsausdruck sich zu einem sanften Lächeln gewandelt hatte. „Und du bist sicherlich Fabienne. Du musst wissen, du bist der erste Mensch den ich jemals gesehen habe. Aber du musst wissen, sie sind sich ja nicht einmal sicher...“ Ich konnte den Stoß spüren, den Samiel der Elfe unter dem Tisch verpasst hatte. 
„Für viele ist es das erste Mal, Darween. Deshalb sind sie auch so misstrauisch. Du im Gegensatz, scheinst Fabienne eher Neugier als Misstrauen entgegen zu bringen.“
„Du weißt, dass sie ihr nicht misstrauisch sind, weil sie ein Mensch ist und ich denke sie hat durchaus das Recht zu erfahren...“ 
„Nach dem Training möchtest du dich sicher etwas ausruhen, oder?“, wandte er sich nun an mich und ignorierte Darween geflissentlich, welche mir als eine der wenigen sympathisch erschien. Das lag wohl mehr oder weniger daran, dass durch sie endlich die Rede auf mich fiel. 
„Nein, eigentlich nicht.“, ich verschränkte die Arme vor der Brust und blickte Darween erwartungsvoll an, in der Hoffnung, dass sie ihren Satz vervollständigen würde. 
„Doch, ich bin mir sicher, dass dir etwas Schlaf gut tun würde.“
Wollte dieser Arsch mich jetzt etwa los werden?
„Ne, ist klar. Ich bleibe ganz sicher hier, wenn ihr über mich redet.“
„Fabienne, wenn du dich nicht sofort bereit erklärst, in deine Gemächer zu gehen, dann werde ich es nicht mehr auf die sanfte Art versuchen.“, knurrte er und die Haare auf meinen Armen stellten sich auf. Seine Augen blitzten gefährlich, aber von seiner Gabe war nichts zu sehen – noch nicht. 
„Ist ja gut.“, ergab ich mich meiner Angst und ließ mich von Samiel von der Bank zerren. 
„Ich kehre gleich zurück.“,wandte er sich an Darween und rauschte mit mir im Schlepptau aus der Halle.
Er brachte mich noch bis zur Tür meines Zimmers und verabschiedete sich dann mit einem „Ich hole dich zum Abendessen ab. Verlasse deine Gemächer bitte nicht, ansonsten kann ich für das Verhalten der anderen Elfen nicht garantieren.“
„Viel Spaß beim Knutschen.“, murrte ich noch und ließ dann die Zimmertür ins Schloss fallen. Eine unerwartete Eifersucht keimte in meinem Inneren und vor meinen Augen spielte sich das Szenario ab, wie die blasse Schönheit Darween Samiel leidenschaftlich küsste und gegen eine Wand drückte. 
Darweens Haare waren von einem strahlendem Blond, dass beinahe in weiß überging und ihre anmutigen Bewegungen unterstrich. Es war glatt und reicht ihr bis zu den Hüften, während die grünen Augen fröhlich schimmerten. 
Das Schlimmste war, das sie eigentlich furchtbar nett gewesen war, selbst zu mir und sich Samiel gegenüber mehr wie eine Freundin als eine Liebhaberin verhalten hatte. Also woher kam dann die plötzliche Eifersucht? Ich hatte nicht einmal einen Grund für diese, es seid denn das Recht, sie zu empfinden.
Wütend auf Samiel und mich selbst stapfte ich in das Zimmer und vertrieb mir die Zeit mit dem Durchwühlen meiner Kleidungsstücke. In der einen Schublade fand ich Leinen- und Lederkleidung, die mir zum Training angemessen erschien und in anderen Fächern fand ich Kleider aller Art. Elegante, schicke und verdammt wertvoll wirkende, von denen ich mich niemals trauen würde, sie zu tragen.
So etwas würde mir nie im Leben stehen und allein die Elfen konnte ich mir darin vorstellen. 
Ich fühlte mich in dieser Welt vollkommen falsch, ich gehörte einfach nicht hierher. Und obwohl ich in der Welt der Menschen, meiner Welt, Bryans Tod und deshalb auch teilweise mein Leid, zurückgelassen hatte, wollte ich in diesem Moment nichts sehnlicher als zurückzukehren. 
Einem plötzlichen Impuls folgend zog ich mir enge Lederkleidung und Laufstiefel an und schlich mich aus meinem Zimmer. Mir und auch den Elfen half es nicht, weiterhin hier zu verharren und deshalb trabte ich, immer auf der Hut vor Beobachtern, die Treppen hinunter bis zum großen Eingangstor.
Vor meinem Inneren Auge hatte ich mir Wachtposten und Schutzmaßnahmen vorgestellt; alles hatte so viel schwieriger ausgesehen. 
Aber als ich nun den Baum verließ und in den Wald trat, der nicht von der kommenden Dämmerung verschont blieb, war es so viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Zu einfach.
Ich lief leichtfüßig durch den Wald und bewunderte die Schuhe, die ich angezogen hatte. Obwohl die Sohle so dünn war, spürte ich den Waldboden kaum und bewegte mich lautlos vorwärts – bis mich eine harte Gestalt an der Schulter traf und mich zu Boden stieß. 
Mein Kopf stieß gegen die Wurzeln eines Baums und die Luft blieb mir für einige Sekunden weg. 
„Warum, Fabienne?“, hörte ich Samiels schmerzverzerrte Worte dicht an meinem Ohr. „Haben wir es dir nicht schön genug gemacht? Habe ich nicht versucht, dass sie dich gut behandeln?“
Verzweifelt versuchte ich mich aus seiner Umklammerung los zu machen, aber erst als er mich erneut zu Boden drückte wurde mir klar, dass es keinen Ausweg gab. Wenn sie mich nicht gehen lassen wollten, dann würde ich nicht hier weg kommen. 
„Das ist es doch gar nicht.“, wisperte ich und spürte erst, dass ich weinte, als mir eine Träne in den Mund fiel.
„Was ist es dann?“, fragte er und drehte meinen Kopf in seine Richtung. 
„Du bist es, verdammt noch mal!“ Ich wusste selbst nicht, warum ich das gesagt hatte. „Ich kann das einfach nicht, okay?“ Meine Finger begannen zu zittern und ich versuchte mich erneut loszumachen. Samiel lockerte seinen Griff etwas. 
„Was kannst du nicht?“, er schien sichtlich verwirrt. 
„Das alles! Bryan...“ Ich schüttelte den Kopf.
„Komm mit mir.“
„Nein.“ Ich wandte den Kopf ab. 
„Was möchtest du, damit du mit mir kommst?“ Er lehnte sich weiter zu mir hinunter und blickte mir tief in die Augen, so lange, dass ich die Farbe schillern sah. 
Dann trafen seine Lippen auf meine und sannen kleine elektrische Stöße durch meinen Körper. Weich wie samt. Begierig öffnete ich die meinen und verlor jeglichen Bezug zur Realität – Wunder, Magie, Sehnsucht. Das war alles, was ich spüren konnte.




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