Dienstag, 2. Juli 2013

Kampf der Elfen von Daisy





So, hier ist das erste Kapitel einer meiner Geschichten, die ich im Moment schreibe. Ich würde mich sehr über eure Meinung freuen :)

1. Kapitel
Die Smarties lagen sortiert und aufgereiht vor mir auf dem Schreibtsch. Die roten, orangen, gelben, grünen, pinken und lilanen. Die blauen hatte ich bereits aufgegessen. Langsam griff ich zu den roten und schob mir einen nach dem anderen in den Mund. Dann brach ich in Tränen aus und ließ mich langsam vom Stuhl auf den Boden sinken. 
Der Boden drückte unangenehm in meine Wirbelsäule, die Luft, die durch das offene Fenster wehte, zog, aber das alles merkte ich gar nicht mehr. Alles was ich spürte, war die furchtbare Leere tief in meinem Inneren, entstanden durch das Stück, das mir erst vor wenigen Wochen aus dem Körper gerissen worden war. Ich rollte mich noch weiter zusammen, von außen musste dies wie ein Embryo gewirkt haben. Ich wollte sterben, nichts lieber als das. Meine Schultern bebten, meine Augen brannten vom vielen Weinen der letzten Wochen, mein Magen schmerzte, ob von den Fressattacken mit denen ich meinen Kummer stillen wollte, oder weil es mir schlecht ging, ich hatte keine Ahnung. Mein Leben war zu einem einzigen grauen Schleier verschwommen und es zog an mir vorbei, ohne dass ich etwas davon mitbekam. Ich hatte die Schule lange nicht mehr gesehen und ich vermisste Bryan. Mein Herz geriet ins stolpern. Aber ich würde Bryan nicht mehr wiedersehen. Nie wieder. 
Irgendwann musste ich unter Tränen eingeschlafen und von meiner Mutter ins Bett gelegt worden sein, denn als ich aufwachte, lag ich auf dieser furchtbar weichen Matratze, auf der ich mich geweigert hatte zu schlafen. Sie erinnerte mich so sehr an Bryan, wie er mich immer wieder in seine Arme zog, wenn ich mich beleidigt wegsetzte. Wie konnte ich auch nur eine Sekunde mit ihm mit beleidigt sein verschwenden? Wie konnte er einfach nicht mehr da sein? Weder hier noch in Kanada, wo er im nächsten Monat sein Auslandsjahr verbringen sollte. Wieso war er tot und nicht ich?
Plötzlich überkam mich der Wunsch in den Wald meiner Kindheit zu gehen, den Wald in dem wir uns geküsst hatten. Der Wunsch war so herzzerreißend wie nichts anderes zuvor. Es tat weh. 
Taumelnd kam ich auf die Beine und zog mir fast automatisch ein weißes Paar Ballerina an. Sie waren abgetragen, von den vielen Treffen, die wir hatten; schmutzig vom Sand des Spielplatzes an dem wir uns trafen; von den modrigen Herbstblättern aus dem Wald vor der Haustür, auf dessen Bäumen wir uns geküsst hatten.
Wie von einem Faden gezogen schloss ich die Haustür hinter mir und folgte dem langen Kiesweg an der Garage vorbei, bis ich an die beinahe unsichtbare Abzweigung kam. In die eine Richtung kam man in das kleine Dorf, aber der versteckte und erdige Weg, mehr ein Trampelpfad, führte in den äußerst nebeligen Wald und ohne darüber nachzudenken folgte ich auch diesem. Die Blätter streichelten meine nackten Oberarme, strichen mit ihren vom Nebel nassen Armen über mein zerknittertes, weißes Kleid; verfingen sich in meinem langem, kastanienbraunem Haar und hielten mich doch nicht auf, als ich immer weiter in den Wald vordrang. 
Spätestens als der Nebel so dicht wurde, dass ich selbst die Hände vor den Augen nicht mehr sehen konnte, hatte ich mich vollends verirrt und erst jetzt wurde mir bewusst, in was für eine Lage mich meine Gedankenlosigkeit gebracht hatte. Ich wusste weder wo hinten und vorne waren, noch was ich tun sollte und so stolperte ich weiter nach vorne, bis ich schließlich ein letztes Mal über eine herausragende Wurzel fiel und erschöpft am Boden liegen blieb. Es fühlte sich an, als ob ich schon Stunden lief; meine Muskeln verkrampften sich, beinahe als wären sie empört über die plötzliche Anstrengung, die ich nach wochenlangem Ausharren von ihnen verlangte. Völlig überwältigt von der Müdigkeit, die mich übermannte, kroch ich mühselig vorwärts und ertaste schließlich einen Baumstamm an den ich mich sogleich lehnte. 
Immer wieder versuchte ich die schweren Lider oben zu halten, aber schließlich fielen sie doch zu und ich versank in einen schwammigen Dämmerzustand aus dem ich erst erwachte, als der Nebel längst verzogen war. Über mir breitete sich das weite Himmelszelt aus; die Sterne funkelten und der volle Monde warf sein fahles Licht auf die Bäume, die von hier unten so unendlich groß und deren Kronen unerreichbar wirkten. Mit letzter Kraft stemmte ich die Füße in die Erde und stand schwankend auf, als ich ein donnerndes Grollen in meinem Rücken hörte. Es war einem Donner eines Gewitters nicht unähnlich, aber instinktiv wusste ich, dass es nicht natürlichen Ursprungs war und eine Gänsehaut breitete sich auf meinem Nacken aus. Abrupt verstummte das Geräusch mit einem letzten, hohlen Geräusch, das wie Holz auf Holz klang und ich drehte mich zitternd um. 
Der Baum an dem ich gelehnt hatte war ein wahrer Gigant, nichts im Gegensatz zu den Mammut-Bäumen, die die größten von allen sein sollten und in der Rinde befand sich ein großes, hölzernes Tor, dessen Türen nach außen auf geschwungen waren und das donnernde Geräusch erzeugt hatten. Im nun zu sehendem Torbogen stand ein hagerer, dennoch hochgewachsener Mann, gefolgt von zwei Männern normalen Baus und einem jüngeren Mann, fast noch ein Junge, dessen schulterlanges schwarzes Haar im Wind in alle Richtungen wehte. Obwohl dieses Spektakel mich wundern sollte, tat es dies nicht. Ich hatte nur Augen für diesen einen unter ihnen, weil er so anders aussah; so furchtbar blass. Aber seine Augen waren das, was mich wirklich faszinierte. Da war keine Farbe in ihnen, viel mehr etwas viel komplexeres, eine merkwürdige Struktur, die mich dazu brachte in ihnen zu versinken, mich zu verlieren und zu vergessen wer ich wirklich war. Wer war ich eigentlich, neben solch einem jungen Mann, der mich unentwegt anstarrte, neben einem Mann, der Augen getränkt von schwarzer Nacht besaß?
„Wer ist das?“, fragte der hagere und richtete sich an den jüngeren Mann. Wie er leicht gebeugt vor diesem stand, sah es fast so aus, als hätte er Respekt vor ihm, obwohl er doch so viel jünger war. 
„Ich habe keine Ahnung.“, hörte ich ihn leise mit einem Hauch Neugier in der Stimme antworten. 
Der hagere richtete sich kerzengerade auf: "Sie ist nicht geladen?!"
Er schien sichtlich geschockt und ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung wer diese Menschen waren und worüber sie redeten. Überhaupt war alles ziemlich merkwürdig, nicht dass ich wirklich überrascht war. Seit Bryan tot war empfand ich nichts mehr als überraschend. Eigentlich empfand ich überhaupt nichts mehr. Oder nur sehr wenig. Bis auf den Schmerz natürlich. Der Schmerz verging nie. 
Mit langsamen Schritten setzte sich der jüngere in Bewegung und kam auf mich zu. Seine Bewegungen und Schritte waren von katzenartiger Geschmeidigkeit und ich wich automatisch einen Schritt zurück, obwohl er mir nicht bedrohlich vorkam. Überhaupt war seine Gestalt eher sympathisch und seine trainierte Figur sah eher elegant, als gefährlich aus. Als er schließlich vor mir stehen blieb weiteten sich seine Augen für einen Moment; die Augenbrauen in die Höhe gezogen öffnete er leicht den Mund und schloss ihn sogleich wieder. 
„Ist sie stumm?“, hörte ich wieder die Stimme des Hageren. „Nei...nein. Sie ist ein Mensch!“, antwortete er und ergriff unsanft meine Arme. „Sieh sie dir an Fanras! Wie konnte sie hierher finden?“
Die Bewegung die Fanras mit dem Arm machte, war beinahe zu schnell für mich, aber ich konnte sehen wie die beiden anderen auf mich zu liefen und mich genauso unsanft wie zuvor der Junge in Richtung des Tores schoben. Allesamt Arschgeigen, dachte ich und wand mich leicht in ihren Armen. Der Junge musterte mich mit einem irritiertem Blick, der jedoch lange nicht so angewidert aussah wie der der andere beiden. Mit einem weiteren Grollen öffnete sich das Tor erneut und die beiden Männer schoben mich in den Baum hinein. Es hätte mich irgendwie schocken oder überraschen sollen, als ich so viele Menschen – Männer und Frauen – darin sah. Auf eine Art sahen sie sich alle furchtbar ähnlich, sie hatten eine ähnlich blasse Haut wie der Junge oder die anderen, die ihn begleitet hatten und erst jetzt viel mir auf, das ihre Ohren, die teilweise unter den Haaren herauslugten, ungewöhnlich spitz waren. Außerdem bewegten die meisten sich geschmeidig aneinander vorbei, keiner rempelte den anderen an und die sanften Stimmen, die ich vernahm, waren gedämpft. Zuletzt war noch zu sagen, dass sie verdammt schön waren, auch die Männer, anders konnte man es nicht bezeichnen und nach und nach begann ich daran zu zweifeln, dass ich noch bei Bewusstsein oder ganz richtig im Kopf war, vor allem, weil die Frauen hauptsächlich altertümlich oder festliche Kleider und die Männer elegante Leinenbekleidung trugen.
Als das Tor mit einem letzten, dumpfen Schlag ins Schloss fiel, verstummte die Menge für einen Moment, nur um kurz danach in hektisches Flüstern, was bald darauf in Raunen überging, auszubrechen. Als die beiden mich weiter schoben, konnte ich zum ersten Mal ein paar der Menschen verstehen:
„Der Baum flüstert...“
„Sie ist keine von uns!“
„Was tut sie hier?“
Das fragte ich mich auch. Ich versuchte den Sprecher auszumachen und lies meinen Blick suchend durch die Menge schweifen. Viele von ihnen zuckten unter meinen Blicken zusammen, oder erwiderten sie zornig, andere wiederum ignorierten mich vollends. Über meinem Kopf breitete sich der Baum noch viele Dekaden von Metern nach oben aus und ich konnte schmale, aus dem Holz herausgewachsene Treppen und Wege sehen, die sich kreuzten und auf die anderen Seiten des Baumes führte. Andere der Menschen, die sich gerade auf diesen Wegen und Treppen befunden hatten waren erstarrt und blickten neugierig zu uns hinunter.
„Warum zeigen sie ihr, diesem Eindringling, unser höchstes Heiligtum auch noch?“, konnte ich gerade noch vernehmen, da sah ich aus dem Augenwinkel eine schnelle Bewegung und das letzte was ich spürte, bevor ich das Bewusstsein verlor, war ein harter Schlag auf meinem Kopf.





Ein Geruch, gleichzeitig vertraut und fremd, stieg mir in die Nase und brachte mich zum Niesen. Ich berührte vorsichtig die harte Platte auf der mein Körper gebettet war und öffnete schließlich die Augen. Über mich gebeugt stand der Junge, welcher nun noch blasser als im Wald wirkte. Seine Haare waren eher dunkelbraun als schwarz, besonders im Licht des an der Decke angebrachten Kronleuchters schimmerten sie bräunlich. Er verlagerte seinen Kopf nur einen Millimeter, aber seine Augen reflektierten das Licht sofort aus einem anderen Winkel und ich fuhr erschrocken aus meiner liegenden Position auf und rutschte bis an den Rand des Tisches.
Seine Augen hatten sich im Moment des Lichteinfalls verändert und schillerten in allen Farben ohne sich dabei zu überlagern. Seine Augen hatten die schönste Farbe, die ich jemals gesehen hatte: Ein grün, so wie eine Wiese im Mai, so eisblau wie der Himmel an kalten Wintertagen, so braun wie Schokolade und ein Glimmen in ihnen, wie das Feuer, das in der Nacht brennt. Sie sahen mich aus einer Tiefe an, die unergründlich war, wie als blickte mich seine Seele an. Man sah jede Farbe in seinen Augen, doch nie vermischt, es war so... In diesem Augenblick, als er mich ansah, seine Augen so weich wie Seide, sprang etwas in mir über und ich brachte es nicht über mich, seinen Blick jemals loszulassen. Ich kannte dieses Gefühl und als Bryan starb, hatte ich mir geschworen, so etwas nie wieder zu empfinden. Für einen Moment drohte der Schmerz mich zu übermannen und kurzerhand schloss ich angestrengt die Augen und wandte meinen Blick von dem des Jungen ab. 
„Entschuldige, ich hatte nicht vor dich zu erschrecken.“ Beim Klang seiner Stimme zuckte ich leicht zusammen und öffnete wieder die Augen. Seine Brauen waren sorgenvoll zusammen gezogen und seine Augen, jetzt wieder schwarz wie die Nacht, musterten mich eindringlich. „Außerdem tut es mir leid, dass sie dich niedergeschlagen haben... Sie können nur nicht akzeptieren, dass... und, dass... Meine Name ist Samiel.“, fügte er Stirn runzelnd hinzu und strich sich die Haare aus dem Gesicht. Samiel räusperte sich und lehnte sich so weit von mir weg, dass er gerade vor dem Tisch stand. „Du solltest vielleicht aufstehen. Mein... der König wird gleich kommen und es wird ihm nicht imponieren, dass du auf dem Eichentisch liegst und ihn voll blutest.“ Abermals runzelte er die Stirn. „Fabienne.“
Ich riss die Augen auf, sprang vom Tisch und hielt abwehrend die Hände vor meinen Körper. „Woher weißt du meinen Namen?“, stieß ich mit schriller Stimme hervor und entfernte mich einen weiteren Schritt von ihm. Wieder schimmerten seine Augen in diesen unerklärlichen Farben, wenn auch nur für wenige Sekunden. Und irgendwie wunderte ich mich selbst, warum ich so erschrak, weil er meinen Namen kannte, statt auszurasten, weil ich blutend auf einem Holztisch in einem gigantische Baum lag und die Sprache von einem König war, obwohl das Land schon jahrelang von Demokratie beherrscht wurde. Und irgendwie hatte ich Angst, ein Gefühl, dass ich bisher nur mit der Einsamkeit, die aus dem Verlust Bryans hervorgegangen war, verbunden hatte. 
Ich sah gerade noch wie sein Mund sich leicht öffnete, um eine Erwiderung abzugeben, da wurde von einer hereinstürmenden Gestalt abgelenkt. Oder viel mehr einen großen Kleiderbündel, denn der Mann, dessen dunkelblondes Haar im Nacken zu einem kurzen Zopf gebunden war, war bis zum Hals in dicke Pelze gewickelt. Er sah aus, als ob er unglaublich wichtig wirken wollte. Tat er aber nicht. 
Als ich mich wieder zu Samiel umdrehte, in der Hoffnung eine Erklärung von ihm zu bekommen, sah ich ihn am Boden knien, den Blick auf die Füße des Mannes gerichtet. „Wer ist sie?“, fauchte der Mann und sah mich unentwegt an. „Verdammt, Junge, steh auf! Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht vor mir niederzuknien brauchst!“ 
„Ihr...“, begann Samiel und richtete sich vom Boden auf. Schnell schaltete ich mich ein und warf ihm einen genervten Blick zu. Er mochte faszinierend sein, aber reden konnte ich selbst. „Mein Name ist Fabienne.“ 
„Und was macht diese Fabienne in unserem Heiligtum?“,der Mann, der König, wie es mir nun langsam dämmerte, verschränkte die Arme vor der Brust. 
„Oh, ich mache hier eigentlich gar nichts, aber ich wurde von ein paar verrückten Menschen in einen Baum gezerrt. Wenn hier einer etwas macht, dann sind es ja wohl sie.“ Auch ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Deshalb wäre es wirklich sehr nett, wenn ich jetzt gehen dürfte. Das ganze ist mir hier nämlich etwas zu freakig.“
Der König klappte den Mund auf, klappte den Mund zu und klappte ihn wieder auf. Ich konnte eine leichte Berührung an meiner Schulter spüren und automatisch lief mir ein Schauer über den Rücken. „Beherrsche dich.“, ertönte Samiels Stimme dicht an meinem Ohr und er zog mich einige Meter zurück. 
„Ihre Unfreundlichkeit tut mir sehr leid, Vater. Sie kennt sich mit den Sitten unseres Volkes nicht aus, das weißt du sicher.“, wandte er sich dann an seinen Vater und würdigte sie keines Blickes mehr.
„Warum nimmst du sie in Schutz, Sohn?“
Vater und Sohn. Ich erfasste die Situation, so merkwürdig sie auch erscheinen mochte, schnell. Samiel war also ein Prinz. 
Der König machte einen Schritt auf mich zu und musterte mich von oben bis unten, nur um danach seine Runden um mich zu ziehen. Nach einer geschätzten Ewigkeit blieb er wieder vor mir stehen und sah mir direkt in die Augen. Die seinen waren eisblau, fast grau und sie sahen weniger boshaft, als stur und abweisend aus. Während er mich mit gerunzelter Stirn ansah, ließ ich meinen Blick über seinen Körper schweifen. 
Obwohl er viele Stoffe übereinander trug, sah er dadurch nicht dick aus. Man konnte seine schlanke und trotzdem muskulöse Gestalt darunter erahnen und er schien voller Energie zu sein. Sein Gesicht wirkte wie das eines Mittvierzigers; leichte Falten zierten die Augen, Stirn und den Mund, aber nur in seinen Augen konnte man sein wirkliches Alter erkennen. Sie strotzten vor Weisheit und Ehrwürdigkeit, sodass er uralt wirkte. Älter als je einer der Menschen, denen ich in meinem ganzen Leben begegnet war. Sogar älter, als der nette Mann, dem ich immer seine Zeitung mitbrachte und dieser war weit über 85 Jahre alt gewesen.
Wenn ich von uralt sprach, war es keineswegs eine Übertreibung. Ich war mir sicher, dass er uralt war, aber allein an seinem Aussehen konnte man dies nicht festmachen, denn er sah immer noch sehr gut aus und hatte eine beinahe anziehende Wirkung auf mich. Jedoch nicht so eine starke Anziehung wie Samiel sie auf mich hatte und mein Blick glitt fast automatisch zu ihm hinüber. Meine Ohren wurden furchtbar heiß. 
Was ist denn mit Bryan? Willst du ihn einfach so vergessen?, dachte ich und sah wieder zum König hinüber. 
„Sohn, bring sie in eines der Gastgemächer, wir müssen reden.“, sagte er und warf mir noch einen komischen Blick zu. „Komm mit.“, brummte Samiel mir ins Ohr und griff nach meinem Arm, den ich ihm sofort wieder entzog. 
„Danke, ich kann auch selbst laufen.“, sagte ich und bereute fast sofort meinen zickigen Tonfall und fügte besänftigend hinzu: „Ich werde schon nicht weglaufen, okay?“
Daraufhin ließ er meinen Arm los, beschleunigte seinen Schritt und runzelte die Stirn. Das muss in der Familie liegen, schoss es mir durch den Kopf und ich bedachte sein Profil mit einem langen Blick. Er hatte eine gerade, nicht zu große und nicht zu kleine Nase; die bereits erwähnte blasse Haut wurde nur von den Schatten werfenden Wimpern abgedunkelt und sein Gang war nach wie vor geschmeidig und jägerhaft. 
Die Decke, die sich über der kleinen Halle erstreckte, war hoch oben und sah aus, als ob sie, wie alles andere in der Umgebung auch, aus dem Holz herausgewachsen war. Rechts und links an den Wänden hingen brennende Fackeln, die das gelbliche Licht im Baum ausmachten. Unwillkürlich überkam mich die Angst, der Baum würde in naher Zukunft abbrennen, nur weil irgendwelche hübschen Idioten die Fackeln hatten brennen lassen. Ich verstand zwar nicht, wieso ich mir Sorgen machte, der Baum könne abbrennen, denn er war weder mein Zuhause, noch kannte ich diese Menschen hier wirklich. 
„Wir sind keine Menschen.“, sagte Samiel in diesem Moment und ich spürte seinen Blick auf meinem Kopf. „Und der Baum wird nicht brennen, weil die Fackeln geschützt sind.“ 
Er streckte die Arme aus und stieß die schwere Holztür auf, sodass wir, ohne uns aneinander vorbei zu quetschen, genug Platz hatten, den Gang hinter der Halle zu betreten. Hier herrschte düsteres Dämmerlicht, das von runden und verschiedenfarbig leuchtenden Lampen ausging und die mich in ihrem Anblick fesselten. Sie sahen wirklich schön aus und machten den Gang, den wir entlang liefen, zu etwas besonderem.
Samiel führte mich um eine Biegung und dann einige Treppen hinauf, bis wir wieder in der großen Eingangshalle angekommen waren, die nun beinahe leer war. Sie sah ähnlich aus wie die Halle, in der ich vorhin aufgewacht war, außer dass sie vollkommen leer war, also Tische und Bänke fehlten. 
Als ich stehen geblieben war, um mich in der Eingangshalle umzusehen, hatte er wieder nach meiner Hand gegriffen und zog mich nun eine Treppe hinauf, von der man freien Blick auf den immer kleiner werdenden Boden hatte. Obwohl es mir sonst in großen Höhen immer mulmig geworden war, fühlte ich mich hier vollkommen sicher und ich blickte fasziniert in die Tiefe. Beinahe war ich enttäuscht, als wir von den offenen Gängen in einen mit runden Wänden kamen. Ich konnte zwar nicht nach draußen sehen, aber mir war klar, dass wir uns in einem Ast des Baumes befanden und deshalb Wände die Seiten schützten. 
Nach wenigen Minuten kamen wir an einigen Türen an und vor der dritten hielt Samiel an und fuhr mit seiner Hand in Kreisen über das Holz, bis sich darunter ein weißliches Schimmern ausbreitete und die Tür mit einem Knacken aufsprang. 
Er legte mir eine Hand auf den Rücken und schob mich durch die Tür. „Da hinten ist ein Baderaum und hier kannst du schlafen.“, sagte er und war schon im Begriff sich wieder umzudrehen. 
„Warte!“, rief ich, etwas lauter als beabsichtigt. „Du hast mir noch keine Antwort auf meine Frage gegeben.“
Er zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Was seid ihr denn, wenn ihr keine Menschen seid?“
„Wir sind Elfen Fabienne und nun leg dich hin, es ist schon spät.“
Ich erstarrte. Elfen? Ich hatte nie an ihre Existenz geglaubt, egal was manche Menschen erzählten und ich hatte eigentlich auch jetzt nicht vor, diese Geschichte zu glauben. Aber... Ich dachte an Samiel Eleganz; an das Alter des Königs, das scheinbar hoch war, ohne das er so aus sah und ich dachte an die blasse Haut und die Ohren der Menschen – Wesen – hier. Und da fing ich langsam an es zu glauben. Zu glauben, dass es Elfen gab und dass dieser Baum hier wirklich existierte. 
Ich schlüpfte aus meinen Ballerinas und legte mich samt Kleid in mein Bett.
Und ja – ich begann Bryan langsam zu vergessen; nicht mehr an die monatelange Trauer und die Schmerzen zu denken und es tat furchtbar gut. Aber war es richtig einen Elf, den ich erst wenige Minuten kannte, in mein Herz zu lassen? War es richtig Bryan weiterziehen zu lassen, obwohl ich ihn aus ganzen Herzen geliebt hatte; ihn noch immer liebte?









Kommentare:

  1. Der Anfang gefällt mir richtig gut, auch wenn man natürlich hier schnell in die Geschichte hinein gestoßen wird. Ich hab dir 4 Sterne hinterlassen.

    Ich bin gespannt wie es weiter geht und du solltest auf jeden Fall weiter schreiben! :)

    Ich hab deinen Blog und euren Schreibportal Blog übrigens heute bei mir verlinkt. (bei den Neuzugängen) hoff das ist ok :)

    LG Sarah

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    1. Hey, das freut mich. Danke (:
      Okay, dann werde ich demnächst mal weiter schreiben ^-^ Wenn ich denn mal dazu komme.

      Ja, das finde ich echt lieb von dir (:

      Alles Liebe, Daisy

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